Full text : Band 3 (3)

Bteb stfll o sündharter Wandersmann
Und schaue reumütig mein fünf Wunden an
Und bedenke daß du sterwe muscht
Darum, o Sünder, tue Buß
Und bekehre dich zu mir {ns himmlische Daradites,
Dies versprech ich dir, © mein Jesus, o mein Alles.

Aronelied und Trimazot

Nr. 9. — Kronelied. Vorgesungen von Cath. Müller aus Decken.
ranspach, Gemeinde Ernstweiler (Kr. Forbach), beim HApfelpflücken an der
Straße. Melodie aufgenommen von Ch. Wolber am 24. Oktober 1929.
Ein diesem Lothringer Kronelied ähnliches Ansingelied findet sich
pereits in „Des Knaben Wunderhorn‘“ unter dem Titel „Ein Beller und
in Pfennig das ist ein kleiner Wert“ mit der Bemerkung: „, Vier Bauernmädchen
 sammelten sonst mit diesem Liede von Paus zu Baus einiges
Geld, um das Muttergottesbild, welches sie bei Prozessionen trugen,
vorber auszuschmücken, in den rheinischen Dörfern Sponbheim, Spabrücken
oder Grillesheim.“ Unser Kronelied wurde von der im Yabre 1875 zu
Deckenranspach geborenen Jungfer Catherine Müller gesungen, als sie
am 28. August 1929 in der Kirche von Peckenranspach einigen Volkslied-Freunden,
 darunter Prof. A. Pirro von der Sorbonne, Paris, und BD. Naumann
 von der Frankfurter Universität, die alte Muttergottesstatue, die
sie betreut, zur eingehenden Besichtigung zeigte. Th. Wolber schrieb ihr
einige Wochen später die Melodie nach.
Das Lied hat Catherine Müller von ihrer Mutter und Großmutter
gelernt und als junges Mädchen mit andern beim Gabensammeln zur
Schmückung des Maialtars gesungen. Als Maienköänigin bekam die Muttergottes
 immer eine Krone aufgesetzt. Daher auch das „Kronen heischen‘‘.
In der Busendorfer Gegend (z. B. in Edlingen) nannte man es „Maibrot
heischen‘“, was es wohl ursprünglich auch war. Im Jahre 1918 sagte mir
die damals neunzigjährige Witwe Kleckner-Reinhard zu Roth auf
die Frage, ob sie keine alten Lieder wisse: „Numme e paar Muttergotteslieder,
 wu m’r als g’sung hann, wie m’r kronen gang sin“. Das Singen
selbst nannte sie ,Kurrente-Singen“, ein Wort, das ich sonst in Lothringen
nie gehört habe, das aber mittelalterlicher Perkunft ist, war doch Luther
als Schüler ein „„‚Kurrente-Sänger“.
Beute noch besteht in vielen lothringischen Dörfern der Brauch,
daß die ältesten Schulmädchen im Mai von Baus zu Daus gehen und oft
auch die Nachbarorte aufsuchen — die Rother gingen früher bis nach
Saargemünd in die Wirtschaften hinein — um für den Maialtar Gaben
zu sammeln. Dabei hört man jedoch kaum noch das alte Kronelied, das
man, wie Catherine Müller sagte, aufgab, weil man es nicht mehr schön

„RR
            
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