Hier wiederum ist das Geschick der Keramik des Rheingebietes,
und zwar sowohl der Artikel aus dem Speicherer Ton
in der Eifel, wie insbesondere der aus dem „Kannebecker Land“,
Höhr-Grenzhausen auf dem Westerwald, der ungünstigen gesamtrheinischen
Entwicklung durchaus konform verlaufen, welches
letztere wir als Schluß dieses Abschnittes noch kurz verfolgen
wollen.
Die Höhr-Grenzhausener Industrie zerfällt in mehrere
Zweige, in das Brennen des Tons zu Grob steinzeug und zu
Feinsteinzeug, d. h. (letzteres) zu kunstgewerblichen Artikeln
und (ersteres) zur Herstellung von feuerfesten und säurefesten
Steinen (also gleichartig mit der Industrie des Bonner
und Koblenzer Bezirks), und endlich ist anhangsweise zu
erwähnen noch eine Pfeifenindustrie (aus Holz und aus Ton), der
allerdings nicht dort gewonnen wird, dessen Verarbeitung aber
in Höhr-Grenzhausen altangesessen ist.
Das Grobsteinzeufßg sind hauswirtschaftliche Artikel:
Einmachtöpfe, Krüge zum Versand von Mineralwässern, Maßkrüge,
Waschbecken. Der Versand dieses Grobsteinzeuges hat
aus einer Reihe von Gründen gelitten, Zunächst kam in der
Besatzungszeit durch die Amerikaner der Versand durch eigenartige
Eingriffe der Besatzung ganz zum Erliegen. Das Grobsteinzeug
wird ganz roh verpackt in Stroh, lose mit Zwischenlagen
und offen auf Fuhren befördert. Der Preis verträgt eine
teure Verpackung nicht. Die amerikanische Besatzung huldigte
nun aus Furcht vor Seuchen usw. einem unmöglichen Reinlichkeitsfanatismus
bezüglich der Straßen und Höfe. Das Finden eines
Strohhalmes vor der Brennstätte oder vor dem Lager oder hinter
Fuhren zog kriegsgerichtliche Bestrafung nach sich.
Da es sich auch hier um überall zerstreut wohnende kleine
Einzelunternehmer handelte, führten gerade diese militärpolizeilichen
Schikanen zu einer vollkommenen Lähmung jeder Versendungsmöglichkeit
seitens der Betriebe. Aber auch abgesehen
von diesem vorübergehenden Eingriff ist die Gesamtlage des
Industriezweiges heute endgültig sehr ungünstig geworden, und
zwar aus einer Reihe von Gründen, Im Inlandgeschäft fielen
die Militärbestellungen weg; es stammten vor dem Kriege fast in
jeder Kaserne die Waschkrüge aus Höhrer Grobsteinzeug,
heute ist kein Bedarf mehr vorhanden. Dieser Reduzierung
der Armee, die uns bereits beim Weingeschäft als eine der Ursachen
der Wirtschaftsschäden im Rheinland entgegengetreten
ist, werden wir als den Grund einer Wirtschaftsverschlechterung
im Rheinlande noch mehrfach begegnen. Ferner, Amerika
verbot durch ein Gesetz die Einfuhr von Bierkrügen, in
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