Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

minderung der Belegschaft auf die schon erwähnte Zahl von
etwa 1500 Köpfen zuwege gebracht, während früher durch
zahlreiche Wanderarbeiter aus Eifel, Hunsrück, Westerwald die
Stammarbeiterschaft regelmäßig verstärkt wurde.
Betriebswirtschaftlich ergibt sich das Fazit der veränderten
Sachlage aus folgenden Angaben, Das in der Vorkriegszeit
bestehende rheinische Schwemmsteinsyndikat und die Bimsdielenverkaufsvereinigung,
 die den Vertrieb der Erzeugnisse
hatten, mußten sich auflösen. Es war nicht möglich,
bei der Absatzkrise der Werke die Mitglieder der Vereinigung
an die Preise zu binden, Infolge der geringen Nachfrage — wozu,
 nebenbei bemerkt, auch noch das durch die Wohnungszwangswirtschaft
 hervorgerufene Darniederliegen des inneren
Baumarktes beitrug — bröckelten die Preise lange Zeit immer
mehr ab. Durch Notverkäufe der Werke zwecks Herbeischaffung
 der notwendigsten Betriebsmittel sind die Preise 1924
einmal sogar auf etwa 20 v. H, der Selbstkosten (!) herabgedrückt
 worden; das war die Zeit der schlimmsten Krise, Eine
geringe Besserung, die indessen an allem Grundsätzlichen nichts
änderte, trat mit dem Wiederbeginn behördlicher Monumentalbauten
 nach 1925 ein. Indessen erwiesen sich auch neue Preiskonventionen
 innerhalb der Werke in den Jahren 1925/26 als
undurchführbar. Es besteht zur Zeit zwar noch eine Verkaufsvereinigung,
 der aber nur 20 bis 25 v.H, der Gesamthersteller
angehören.

Die Industrie der Bimsstoffe stellt sich als ein recht
charakteristisches Beispiel der ungünstigen Nachkriegsentwicklung
 des rheinischen Wirtschaftslebens dar; deshalb
 schien es dem Zweck dieser Schrift angemessen, sie in
einiger Breite zu behandeln.

Unter der rheinischen Industrie der Erden, deren Standort
wir schon beschrieben haben, nimmt die Industrie der feuerfesten
 Produkte, des feuerfesten Tons, im Rheinland den ersten
Rang ein, Es handelt sich bei ihr, wie übrigens auch bei der Bimskiesindustrie
 und der gleich nachher zu behandelnden Keramik,
in der Hauptsache um mittlere und kleinere Betriebe, etwa
30 bis 40, bei denen der Typus des persönlich geleiteten
Unternehmens vorherrscht und das nicht vergesellschaftet ist;
das vielmehr der Unternehmer aus eigener Kraft aufgebaut hat
und in das er noch ein Stück seiner Persönlichkeit und seines
Lebens hineinlegt. Die Strukturveränderungen dieser Industrie
heute gegenüber den Vorkriegsverhältnissen liegen in erster
Linie in einer Schwächung der Position dieser selbständigen
Einzelunternehmer, die wir näher zu begründen haben werden.

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