geringer geworden. Die schlecht mit Franken entlohnten
Industriearbeiter sind schlechte Käufer. Die Not der Landwirte
hat die kleinen Geschäftsleute auf dem Lande und die
ländlichen Handwerksleute mit in ihre Misere gezogen; wo der
Landwirt irgendetwas billiger erhalten kann, da geht er dafür
über die lothringische „Grenze‘“ zum Krämer wie zum Handwerker,
Die Landwirte lassen in Schmieden, Stellmachereien
usw, jenseits der ehemaligen Grenze arbeiten, wo es
billiger ist, als im Saargebiet selbst. Auch die bevölkerungspolitische
Struktur an der Saar bedingt, daß die Lage
der saarländischen Landwirte eine schwierige sein muß.
Die starke Durchsetzung der Landbevölkerung mit Industriegängern
in den Dörfern, ja das Überwiegen derselben
bedeutet eine Zurückdrängung der rein landwirtschaftlichen
Belange in Gemeinde, Kreis und Staat und hat zur Folge,
daß die Landwirte Arbeitermangel haben. Typisch für die Verhältnisse
ist die Zunahme des Brachlandes: es gibt Gemeinden
mit vielen hundert Morgen Brachland, z.B. die Gemeinde Wichelskirchen
(Kreis Ottweiler) mit über 400 Morgen Brache. Die
Landwirtschaft ist durch die doppelte Inflation im Saargebiet
(Mark und Franken) noch entkapitalisierter als die rheinische,
Sie hat kein Geld und ist verschuldet, dabei zahlt sie hohe Zinsen,
die heute auf Grund der Dollarklausel geleistet werden
müssen, Daneben ist der Viehwucher wieder aufgeblüht. Der
Trierische Bauernverein hat im letzten Jahre wieder 87 Viehund
Wucherprozesse im Saargebiet durchführen müssen.
Wer zur Verdeutlichung der agrarwirtschaftlichen Trennung
des Saargebietes von Deutschland einen Augenblick daran
denkt, auf wie glänzender Höhe die berühmten Firmen der
landwirtschaftlichen Maschinenfabrikation — und
Maschinenarbeit ist heute auch beim Landwirt ein entscheidender
Faktor — in Deutschland standen — Eckert-Berlin,
Schütte-Lanz, Westfalia-Dinnerdahl —, gewinnt vielleicht eine
letzte bildhafte Vorstellung davon, was es für die Betriebswirtschaft
der saarländischen Landwirte ideell und ökonomisch
doch bedeuten mußte, von diesem agrarischen Deutschland
— ihrer Heimat — losgerissen zu sein.
IV. Die rheinischen Kurorte und Sommeririschen.
In der „Kölnischen Zeitung‘ wurde einmal der Satz
geschrieben:
„Wo der Soldat regiert, und mag er auch nicht unmittelbar
in die Erscheinung treten, da weilt der Kranke,
Friedensuchende nicht gern.‘
(1