schlechter als die derzeitigen in der Rheinprovinz. Und die
Gründe, die dafür namhaft gemacht werden, entspringen ausschließlich
dem Friedensvertrag. Durch ihn ist das Saargebiet
von seinem Mutterlande abgeschnitten, und das bedeutet auch
von seinem landwirtschaitlichen Mutterlande, hieraus ergeben
sich zunächst erhebliche Produktions schwierigkeiten für
das Saargebiet. Wir können die Zolltarifpositionen des Zollabkommens
hier im einzelnen nicht bewerten, aber daß und wie
eine Zollgrenze auf jeden Fall die Wirtschaftsbeziehungen der
beiden betroffenen Länder stört, haben wir ja bereits grundlegend
zum Ausdruck zu bringen versucht. Die Produktionsschwierigkeiten
der saarländischen Landwirte beruhen einmal
in der Erschwerung bzw. Verteuerung der Einfuhr ihrer gewohnten
undangepaßten ProduktionsmittelausDeutschland.
Saatgut, deutsche Kunstdüngemittel, Beizmittel und sonstige
Mittel der Schädlingsbekämpfung und der Bekämpfung der
Pflanzenkrankheiten, Tierarzneimittel, Futtermittel, Zuchtvieh,
das ist das eine, Aber man vergesse auch nicht den Schaden auf
geistig-wissenschaftlichem Gebiet, welchen die Abschneidung der
saarländischen Landwirtschaft von der deutschen landwirtschaftlichen
Wissenschafit bedeutet. Es fehlt die Beratung; und
die Förderung des Wissens der Landwirte liegt im argen. Es
gibt in sieben Kreisen nur drei Schulen. Der Berichterstatter,
auf den wir uns stützen, hatte auch den Eindruck, daß bei einzelnen
landwirtschaftlichen Lokalabteilungen eine gewisse Zurückhaltung
mit den belehrenden Veranstaltungen aus politischen
Gründen geübt werde; es liegt nahe, daß in der Zeit
des Bestehens einer Fremdherrschaft alle öffentliche Versammlungstätigkeit
unter einem gewissen Druck steht. Schwerer
noch als die erwähnten Produktionsschwierigkeiten sind die Ab -
sa tz schwierigkeiten der saarländischen Landwirtschaft zu
werten, die wir schon gestreift haben. Da das Saargebiet durch
den Versailler Vertrag ohne Zollschutz an Frankreich ausgeliefert
ist, so erfolgt eine Überschwemmung durch billigere
Ware aus Frankreich über die lothringische Grenze: Französisches
Obst, Gemüse, Kartoffeln, Schlachtvieh und vor allem
milchwirtschaftliche Produkte. Das ist alles viel
schlimmer noch, als für die rheinische Landwirtschaft, denn die
saarländische Landwirtschaft genießt gar keinen Zollschutz gegenüber
dem wirklichen Konkurrenten, wohl aber ist sie behindert
abzusetzen, denn durch die sog. „Einbehaltungsverordnung”
besteht für die saarländische Landwirtschaft das Verbot der Ausfuhr
von Lebensmitteln aus dem Saargebiet. Auch derinnere
Markt ist in sich an Aufnahmefähigkeit ländlicher Produkte
durch die Frankenschwäche im Gegensatz zu früher sehr viel
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