sie im besetzten Gebiet vorfand, ohne weiteres als Kriegsbeute
behandelt, einfach weil sie den deutschen Heeresbrandstempel
trugen, Somit war Auffüllung der Lücken unmöglich gemacht,
aber statt dieser Auffüllung gab es in der Walffenstillstandszeit
noch dazu militärische Requisitionen aus
den Pferdeställen der Bauern für militärische Bedürfnisse der
Besatzung, und zwar geschah dies gerade im niederrheinischen
Zuchtgebiet, Es wurden im Aachener und Düsseldorfer Bezirk
in dieser Zeit derartige Eingriffe in das Zuchtmaterial, insbesondere
die Kaltblutstuten, vorgenommen, so daß zeitweise
den Landwirten dort eine Vernichtung ihres Pferdebestandes
zu drohen schien. Z,B, wurden im Landkreis Düsseldorf (linksrheinisch)
von 162 Pferden nicht weniger als 100 requiriert und
im Kreise Neuß zwei Drittel des ganzen Pferdebestandes, Nachweislich
wurde dabei — in diesen beiden letzterwähnten
Fällen — von den Belgiern die Einziehung alles nur auftreibbaren
wertvollen Pferdezuchtmaterials gar nicht für den Bedarf
der Besatzungstruppen vorgenommen, sondern dies Material
ist nach Belgien abgeführt worden. Es handelte sich also um
eine ganz irreguläre und unberechtigte Vorwegnahme der sogenannten
Wiedergutmachungsleistungen des Friedensvertrages,
die auf dessen eigentliche Lieferungsverpflichtungen dann später
keine Anrechnung fanden, Wir haben zu diesen vielfachen
Eingriffen in die rheinische Pferdezucht aber auch noch die
Erschwerungen zu rechnen, welche die „Militarismuspsychose”
der Besatzung der züchterischen Arbeit der niederrheinischen
Reitpferdezucht in den Weg gelegt hat. Auch die
Aufzucht von Reitpferden ist dort altberühmt, man denke nur
an die Pferderennen des Neußer Rennvereins, Von der Besatzung
wurden nun die doch, zumal bei der heutigen Konkurrenz
durch das Kraftfahrwesen, notwendigen Leistungsprüfungen
dieser Zuchtverbände, die Schnitzeljagden und
Reiterfeste der Reitervereine nicht als wirtschaftliche bzw.
sportliche Leistungsprüfungen anerkannt, sondern als militärische(!)
Veranstaltungen verboten. Die Reitervereine
selbst wurden schwer bedrückt, ja in einem Falle ist die Besatzung
sogar zu einer (zeitweiligen) Beschlagnahme ihres
Pferdematerials geschritten, — Endlich muß, um das Bild der
Schwächung der rheinischen Viehzucht durch den Kriegsausgang
vollständig zu machen, noch daran erinnert werden,
daß trotz ihrer Sonderleistungen die rheinische Landwirtschaft
doch auch nicht frei gelassen werden konnte von der Ablieferungspflicht
des züchterisch besten Materials aller Nutzviehsorten
auf Grund der schon erwähnten Wiedergutmachungs-539