des Ruhrkonifliktes beschränkt hätte, Daneben steht eine
ganze Reihe vielfältiger Eingriffe, die zusammengenommen in
ihrer meist länger anhaltenden Einwirkung der landwirtschaftlichen
Arbeit im besetzten Gebiet kaum weniger schmerzliche
Wunden geschlagen haben, wie die eben erwähnten,
Sprechen wir zunächst von der Viehzucht, Die 1914
abgebrochene systematische, züchterische, genossenschaftliche
und organisatorische Fortschrittsarbeit, welche die durch die
Pferdeaushebungen in der Kriegszeit und die einschneidenden
Zwangsablieferungen von Vieh in der Zeit der Zwangswirtschaft
entstandenen Schäden ausgleichen sollte, konnte in der Rheinprovinz
nach Kriegsende zunächst nicht einsetzen. Sondern
dies konnte wegen der Besatzungsverhältnisse dort erst beginnen,
als nach dem Befriedungsabkommen von Locarno
feststand, daß weitere Eingriffe in die Züchterställe nicht mehr
zu befürchten seien. Die Wiederaufbauarbeit setzte demnach
vier bis fünf Jahre später ein als im übrigen Deutschland, so hat
erst im Jahre 1924 am Rhein zum ersten Male wieder eine
Provinzialschau stattgefunden. Diese Hemmung des Wiederaufbaus
galt bis zu einem gewissen Grade für alle Zweige der
rheinischen Viehzucht, ganz besonders aber hat die rheinische
Pferdezucht gelitten, die bekanntlich am Niederrhein einen
besonderen hochwertigen Schlag mittelschwerer Kaltblüter
selbst züchtet, und zwar durchweg von kleinen Züchtern in
bäuerlichen Betrieben. Was aber ist diesen Pferdezüchtern,
ja allgemein den rheinischen Pferdehaltern seit 1918 nicht alles
zugefügt worden!? Im allgemeinen wurden — wie bekannt sein
dürfte — im Jahre 1918 die deutschen Landwirte in die Lage
versetzt, die Lücken, die in ihren Arbeitsgespannen in der
Kriegszeit entstanden waren, mittels der bei der Demobilmachung
an sie aus den Heeresbeständen billig abgegebenen
Armeepferde wieder zu schließen; den rheinischen Landwirten
war dies versagt, Die Besatzung erklärte jedes im Rheinland
von ihr vorgefundene ehemalige deutsche Soldatenpferd als
ihre Beute, Die „Commission de recuperation des chevaux
et du betail‘ ferner beschlagnahmte ohne Zulassung von Gegenbeweisen
über einen einwandfreien Erwerb seitens des Bauern
Pferde auf den bloßen Verdacht hin, daß sie während des
Krieges aus Belgien oder Frankreich fortgeführt worden seien.
So hat z.B. die Kommission in der Aachener Gegend sogar
Pferde beschlagnahmt, die den alliierten Truppen selbst seitens
ihrer jetzigen deutschen Besitzer ordnungsmäßig abgekauft
worden waren, und auch solche deutsche Pferde, die nach der
Demobilmachung von den deutschen Intendanturen rechtsrheinisch
versteigert worden waren, wurden, wenn man
Bf