dieser Wirtschaftskatastrophe für die rheinische Landwirtschaft
ziehen,
Wie bereits erwähnt, waren Bezug und Versand von
Saatgut durch den passiven Widerstand zur Frühjahrs- wie
zur Herbstbestellung nahezu unmöglich geworden. Es konnte
also kein Originalsaatgut von den Sorten, die sich in der Rheinprovinz
bewährt hatten (etwa Lochow-Petkus oder Strube-Schlanstedt)
bezogen werden. Nunmehr sanken infolge des Stilllegens
der Transportmittel auch die Flächen der Absaaten,
die zur Anerkennung bei der rheinischen Landwirtschaftskammer
angemeldet wurden, fast auf die Hälfte, nämlich von 1899,29 ha
auf 967,47 ha, Diese anerkannten Absaaten sind aber bei
dem Überwiegen des Kleingrundbesitzes in der Rheinprovinz
für den rationellen Getreidebau dort von besonderer Wichtigkeit,
Der mittlere und kleine Landwirt bezieht kein Originalsaatgut
aus den großen vorerwähnten Saatzuchten, für ihn vollzieht
sich die notwendige Erneuerung der auf seinem Acker
abgebauten Getreidesorten durch Bezug des Saatgutes vonden
Saatwirtschaften in der Rheinprovinz, welche anerkannte erste
oder auch zweite Absaaten z. B. der vorgenannten Firmen
zum Verkauf bringen, Der Ruhrkonflikt hatte also nachweislich
zur Folge eine weitreichende Inzucht im Getreidebau, ein Unterlassen
der notwendigen Saatguterneuerung mit den bekannten
Folgen für den Ernteausfall und die Zunahme der Pflanzenkrankheiten.
Noch erheblich sinnfälliger zu erfassen sind die Ausfälle im
Kunstdüngerbezug in der Ruhrkonfliktszeit, und es ist
daraus die durch sie bedingte Verarmung des Bodens deutlich
zu machen. Die Ziffern sind für den Kalibezug genau zu
ermitteln gewesen, wenn auch nur für ihn. Durch die Syndizierung
des Kaliabsatzes läßt sich der Verkauf dieses wichtigen
Düngemittels in der Rheinprovinz statistisch genau erfassen;
es kann aber dann aus diesen Ziffern ein Rückschluß auf den
Verbrauch der übrigen Kunstdüngemittel in der fraglichen Zeit
gezogen werden, der notwendig unter den gleichen Bezugsschwierigkeiten
leiden mußte, und damit erhält man einen Einblick
in die Entwicklung der rheinischen Düngungsintensität
überhaupt, Im Kalibezug nun insbesondere, worin Harms in
seinem vorerwähnten Buche „Die Zukunft der deutschen Handelspolitik”
das vornehmste Kennzeichen einer agrarischen
Prosperität erblickt, stand Deutschland mit einem Verbrauch
von 1204 kg pro Quadratkilometer gegenüber 202 kg in
England, 80 kg in Frankreich und 141 kg in den Vereinigten
Staaten vor dem Kriege in der Welt an der ersten Stelle, Im
Jahre 1923 nun trat in diesem Standardland für die Verwendung