Vorkriegszeit ist indessen, besser noch als aus der angeführten
Statistik, durch eine Einsicht in das landwirtschaftliche Verschuldungswesen
zu führen. Es liegt eine allgemeine,
staatlicherseits durchgeführte Verschuldungsstatistik für die
Nachkriegszeit zwar nicht vor, indessen hat die rheinische
Landwirtschaftskammer mit außerordentlicher Mühe und Kleinarbeit
eine Teilerhebung durchgeführt, deren Resultate als vollbeweisend
gelten können, wie unsere Angaben über deren
Methodik dartun werden, Die Erhebung wurde durch Beamte
der Landwirtschaftskammer persönlich durchgeführt, zunächst
durch Einsichtnahme in die Bücher der Darlehnskassen und
Kreditinstitute, also der Gläubiger. Die Feststellung der
Händler- und Handwerkerschulden wurde dann in einzelnen
typischen Kreisen bei sämtlichen in Frage kommenden Gläubigern
ebenfalls persönlich vom feststellenden Fachmann,
vorgenommen, und aus diesen Zahlen ergab sich eine
mittlere Belastung je Hektar für diese Kreise. Diese
Zahl wurde dann auf die gesamte Provinz umgerechnet. Als
Gegenprobe wurden dann die Händler- und Handwerkerschulden
bei den führenden Landwirten des Dorfes, also auch
bei den Schuldnern, bei denen sie erwachsen waren, ermittelt.
Die Größe der Einzelbetriebe und die Höhe des Einheitswertes
wurden beim Finanzamt und beim Katasteramt zusammengestellt,
Da alle diese Arbeiten nicht durch Beauftragte oder
durch schriftliche Anfragen erledigt wurden, sondern durch
persönliche Feststellung des Beamten an Ort und Stelle, so sind
die Ergebnisse als durchaus einwandfrei anzusehen.
Von der nach diesen Grundsätzen errechneten agrarischen
Verschuldung möchten wir, damit der Faden unserer Ausführungen
deutlich weiter verfolgt werden kann, die Gesamtbilanz
voranstellen, welche die Landwirtschaftskammer aus
ihren Erhebungen gezogen hat, Die Feststellung der Gesamtverschuldung
also der rheinischen Landwirtschaft zunächst bei
den hauptsächlichsten Gläubigern ergab folgende Entwicklung:
L Vorkriegsverschuldung.
1. Realschulden ...........etwa 330 Mill. M
2, Personalschulden ....... 360 un
Summe etwa 700 Mill. M.
Letzteren standen aber damals etwa 350 Mill. M. Einlagen
landwirtschaftlicherseits bei den Sparkassen und Genossenschaften
gegenüber; die ländlichen Spar- und Darlehnskassen
der Rheinprovinz hatten 1913 mehr Einlagen als ausgeliehene
Gelder, was sehr wohl zu beachten ist.
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