Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

Als Gesamteindruck aus diesen Erntevergleichen bleibt
also das Bild eines deutlichen Rückganges der rheinischen
Landwirtschaft, Sie steht zweifellos ungünstiger da als vor dem
Kriege, Ihre Ergiebigkeit hat sich objektiv mengenmäßig nach
den Erträgen des Ackers, nach den Erträgen des Feldbaues
vermindert, Wie steht es nun mit der Viehzucht und Viehhaltung,
 deren Bestand und Umfang einen weiteren Gradmesser
für den Wohlstand des Landwirts abgibt.
Viehzählung (Rheinprovinz):
Pferde Maultiere Rindvieh
1. Dezember 1925 194969 1972 983 500
1913 196174 117 1 109 507
Schweine Schafe Ziegen Federvieh
1. Dezember 1925 786371 112 870 286 103 5623519
1913 1118384 97 111 263 812 5215317
Diese Ziffern über die Entwicklung des Viehstandes in Vorund
 Nachkriegszeit bestätigen vollkommen den eben, gewonnenen
 Eindruck vom Rückgang der rheinischen Landwirtschaft
 und gehen mit der Erntestatistik durchaus konform.
Der Bestand an Großvieh und Schweinen, deren Besitz Wohlhabenheit
 und die entscheidenden Einkünfte der Wirtschaft verbürgt,
 ist zurückgegangen: Pferde, Rindvieh, Schweine, Die unnatürliche
 Vervielfachung der Maultiere ist eine Augenblicksabhilfe
 des Mangels an Gespannvieh gewesen und rührt her
von dem Gelegenheitsangebot der Gesamtbestände der das
Rheinland verlassenden amerikanischen Besatzung. Aus allgemeineren
 Gesichtspunkten gesehen ist ihr Wert ein geringer,
da sie mit organischen Zuchtrichtungen der rheinischen Viehzüchter
 in gar keinem Zusammenhang stehen. Die Vermehrung
des Kleinviehs anderseits gegenüber dem Rückgang der Großviehbestände
 ist nur ein weiterer Beweis für die Verarmung
der Landwirte. Die Ziege ist die Kuh des armen Mannes,
Sie wie das Schaf sind relativ geringe, in ihren Futter- und
Pflegeansprüchen bedürfnislose Milchspender, sie sind auch bei
herabgesetzter Futterwüchsigkeit noch zu halten. Die Vermehrung
 des Federviehs endlich ist durchaus eine Folge der
allgemeinen Verarmung der Bevölkerung, die einen Teil der
sozusagen „halbstädtischen” Bevölkerung veranlaßt hat, sich
der Mühewaltung der Hühnerhaltung zu unterziehen, um durch
diese Arbeit zu Hause eine Hebung ihrer Ernährungslage herbeizuführen,
 die sie vor dem Kriege ohne diese Heimarbeit durch
Kauf der fraglichen Konsumtionsmittel (Eier und Geflügel) bewerkstelligen
 konnten,
Der durchschlagendste Beweis für die Wirtschaftsnöte der
rheinischen Landwirtschaft und ihren Abstieg gegenüber der
            
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