Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

L Der Weinbau.

Die Betrachtung der ökonomischen Nachkriegsverschiebungen
 gerade des Weinbaues als erste in dieser Untersuchung
 über die derzeitige Entwicklung der Wirtschaftslage
an der Westgrenze Preußens voranzustellen,. erscheint wohl
durch eine Besonderheit des Standortes dieses Wirtschaltszweiges
 in dem genannten Lande gerechtfertigt. Der Weinbau
verleiht den westlichen Grenzgebieten Preußens im Vergleich
mit den übrigen Gebietsteilen des Landes eine ganz besondere
agrarwirtschaftliche Note, denn im Gegensatz zu anderen Weinländern
 wie Frankreich, Italien, Spanien, wo der Weinbau
ziemlich überall im Staatsgebiet verbreitet ist, kommt ihm in
Preußen eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung nur in
den im Westen an der Peripherie des Landes gelegenen Gebietsteilen
 zu, die dadurch schon für den äußeren Anblick wirtschaftsgeographisch
 einen besonderen Charakter erhalten.. Es
gibt nun über die Fragen der wirtschaftlichen Prosperität eines
Weinbaugebietes, die uns hier zu beschäftigen hat, die zweifelsfreieste
 und eindeutigste Auskunft die Statistik der räumlichen
Entwicklung, also die Zu- oder Abnahme seiner Rebfläche.
Die Anwendung dieses wohl nicht bestreitbaren Grundsatzes
gerade auf Preußen scheint zunächst ohne Ergebnis, denn im
ganzen gesehen hat sich der Umfang des preußischen Weinbaues
 seit 1878, also seit 50 Jahren, nicht wesentlich verändert.
Indessen gewährt uns doch auch diese Tatsache schon einen
wirtschaftlichen Einblick, denn sie steht im Gegensatz zu der
Entwicklnug der Anbaufläche der Weinreben im ganzen
übrigen deutschen Wirtschaftsgebiet, dem die preußische
Rebfläche zugehörig ist. In ganz Deutschland war nämlich die
Rebfläche schon seit langem im Rückgang, allein seit 1908
ist sie von 116 786 ha auf 72958 ha im Jahre 1926 weiter gesunken.
 Von diesem Gesamtbestand des deutschen Reichsgebietes,
 von dem die preußische Rebfläche etwa 23 bis 24 v. H.
ausmacht, ist diese allein mit etwa 18 500 bis 19 000 ha, wie gesagt,
 in ihrem Umfang seit Beginn der statistischen Erfassung
ziemlich konstant geblieben. Wenn schon diese Tatsache

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