Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

organen der französischen Besatzung im größten Stile angestiftete
 Werkspionage der rheinischen chemischen Industrie
den doch unverkennbaren Beweis geliefert hat. Das Rheinland,
 das besetzte, lebt also in einer Zone „erhöhten Risikos”,
wenn wir diesen Ausdruck hier noch einmal wiederholen dürfen,
die es unsichtbar isoliert. Und weil so der ganze Wirtschaftsprozeß
 in Reibung gegen einen weiteren anderswo
 unbekannten gefühlsmäßigen, aber auch realen Widerstand
abläuft, darum sind letzten Endes gewaltiger die Aufwendungen,
 welche die privaten wie auch die öffentlichen
Haushalte zu tragen haben, als anderswo, denn untrennbar sind
doch, schaut man auf das Ergebnis des wirtschaftlichen Gedeihens,
 Öffentliche und private Wirtschaft miteinander
verknüpftit.

Am Aufgang über: dem Tore zur rheinischen Wirtschaft
steht das Wort von der „Prioritätder militärischen
Bedürfnisse‘, und dieses Wort sagt alles, wenn man
will, es sagt, daß die rheinische Arbeit gegebenenfalls dienen
muß, wenn es gefordert wird — und oft genug auch wird es gefordert,
 wie wir gesehen haben — den bevorrechtigten Forderungen
 einer militärischen Okkupation.
So ist das Rheinland ein Notland geblieben, in dessen
ärmsten Bezirken (im Norden des Reg.-Bez, Trier) das Verhältnis
 der Tuberkulosesterblichkeit im Vergleich mit dem preu-Bischen
 Staatsdurchschnitt sich im ungünstigen Sinne umgekehrt
 hat gegenüber der Vorkriegszeit.

Auf dem Boden dieses Bewußtseins von ihrer Not, das
tief in das Herz der Rheinländer eingesenkt ist, sind alle die
immer wiederkehrenden Kundgebungen der letzten Zeiten erwachsen,
 in denen sie immer wieder den Ruf nach
Freiheit erhoben haben — denn diese Freiheit ist nicht nur
ihr nationales Menschenrecht, sondern auch ihre wirtschaftliche
 Notwendigkeit. — Aber es ist auch aus diesem Bewußtsein
 zu erklären ihre Bitte, ihr Verlangen nach Unterstützung
 seitens ihrer rechtsrheinischen Brüder, in Staat
und Reich, die von gleichen Wirtschaftsschädigungen
verschont sind. — Es ist doch wohl kein unbilliges Verlangen
in den Augen desjenigen, der die Darlegungen dieser Schrift
hat unbefangen auf sich wirken lassen, wenn das rheinische
Grenzland Reichs- und Staatshilfe in stärkerem Maße beansprucht
 als andere Provinzen, um den Wiederaufbau seiner
Wirtschaft in den Formen durchzuführen, wie er durch die Bestimmungen
 des Friedensvertrages notwendig wurde. Wessen
werbende Kräfte in die Okkupation verstrickt sind, dem ist
            
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