Wir haben aber im Verlauf unserer Ausführungen gesehen,
daß für die Massengüter des Rheinlandes:
Kohle, Eisenerzeugnisse, Holz, Steine, Erden und viele
andere, der Rhein die Wasserstraße und seine billige Wasse rfracht
der für die Verkaufsfähigkeit wirtschaftlich notwendige
Beförderungsweg ist. Überaus viele Güter des
Rheinlandes, die nach Süddeutschland, nach Holland, Belgien
und die nach Übersee gehen, benutzen also die Reichsbahn
nur als Zubringerin zur Wasserstraße und müssen dies
tun, um im Empfangsland konkurrieren zu können, sie benutzen
die Bahn also nur im gebrochenen Verkehr, Diese
Zubringerbahnstrecken bis zum Rhein aber liegen bei der
durch den Fluß in seiner ganzen Länge durchströmten Provinz
auf beiden Ufern in der so außerordentlich verteuerten Nah -
zone, und dieser Umstand hat ihre Wettbewerbsfähigkeit zerstört;
wir haben beim Wurmrevier ziffernmäßig die Auswirkung
dieser Frachtpolitik auf die Kohle gesehen. Erinnert sei bezüglich
der gleichartigen Wirkung der Fracht noch an die
rheinische Industrie der Werk- und Bausteine, die in
Holland heute schwere Konkurrenz aus Schweden findet.
Rheinische Rund h ö1lzer wurden andererseits bahnfrachtlich
geschädigt in ihrem Absatz nach den westlichen
Ländern durch den von der Reichsbahn bewillisten Transittarif,
also durch die verbilligten Durchfuhrtarife
durch Deutschland nach den westlichen Ländern für
böhmische und russische Hölzer, welche diese günstiger
frachtlich stellen als die rheinischen Hölzer mit ihrer hohen
Nahfracht zum Rhein.
Über den Umfang der Frachtverteuerung überhaupt klagt
die gesamte rheinische Exportindustrie, wir erinnern von den
spezifischen rheinischen Industrien an die Mineralwasserindustrie,
die als eine Ergänzungsindustrie
gleichsam zu den rheinischen Heilbädern anzusehen ist; sie
klagt ausdrücklich über den Verlust ihres Versandgeschäftes
infolge der Höhe der Frachten. Ganze Betriebsumstellungen
sind bei ihr in Verfolg dieser Beeinträchtigung eingetreten.
Eifeler Mineralquellen sind statt des Versandes des Wassers
selbst lediglich zur Gewinnung der Kohlensäure aus ihm
übergegangen, ein anderer Brunnen ist von einer Flaschenfabrik
erworben worden, die Mineralwassergewinnung ist also
lediglich ein dienendes Glied einer anderen Industrie geworden.
Wir möchten unsere Wünsche für die Frachtregelung hier
noch einmal ganz dringlich erheben. Notwendig ist im Interesse
der rheinischen Wirtschaft einmal eine. Senkung der
171