Die gesamte Lage der Saarindustrie, wenn wir sie nach
Kenntnis mancher Details nunmehr abschließend würdigen, ist
heute demnach keine erfreuliche, sondern eher eine krisenhafte.
Der Zwang zur Umstellung in ganz neue Wirtschaftsbahnen nach
Süden und Westen ist für die dortige hochentwickelte, hochindustrielle
Wirtschaft besonders schwer und schmerzlich gewesen.
Je vielfältiger die Fäden sind, die eine Wirtschaft mit
ihrem bisherigen Hinterland verbinden, je feiner das Räderwerk
eingespielt ist, desto leichter treten bei jeder gewaltsamen Umstellung
Störung und Verwirrung ein, Was wir bezüglich der
Umstellungsschwierigkeiten der deutschen Grenzlande zum
Saargebiet erörtert haben, gilt bezüglich des Saargebietes
selbst vielleicht noch in erhöhtem Maße; in erhöhtem
Maße bezüglich der Wirkung; denn was mußte
diese Wirtschaft nicht alles außerdem noch an Eingriffen
in ihren Wirtschaftsverlauf über sich ergehen lassen, von
denen die Wirtschaft des besetzten Gebietes verschont blieb.
Neben die Markinflation trat die Doppelwährung des gleichzeitigen
Frankenumlaufs. Es folgte der Zwang der Umstellung
auf die Einführung der alleinigen gesetzlichen Frankenwährung,
der sich wiederum die Erschütterungen einer zweiten Inflation,
der Frankeninflation, anschlossen. Dies alles und endlich die
Stabilisierungskrise des Franken traten neben die Zollbelastungen
der Aus- und Einfuhr nach Deutschland seit dem
10, Januar 1925, d. h. der Belastung aller bisher gewohnten
Wirtschaftsvorgänge, die nach dem eben Geschilderten also
gerade eine besonders geschwächte Wirtschaft trafen,
Es ist selbstverständlich, daß alle diese Ereignisse tiefe
Spuren in das Wirtschaftsgesicht des Saarlandes gegraben
haben. Es gebietet aber die Wahrheitsliebe das Geständnis,
daß auch seine voraussichtliche Zukunft nun keineswegs wirtschaftlich
wolkenlos aussieht. Nach 1935 steht dem Saarland
eine neue und ebenfalls durchaus nicht leichte Rückumstellung
in die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Reiche
und ein erneutes Verlassen der inzwischen angeknüpften
Verbindungen nach den westlichen Ländern, insbesondere nach
Frankreich, bevor. Es ist heute schon notwendig, eine gewisse
Vorsorge zu treffen für diesen Moment der Wiederkehr
in den Wirtschaftsorganismus des Reiches. Vor allem muß
hierzu der Anschlag der Franzosen auf die Warndtkohlen
abgewehrt werden, damit die wichtigste Substanz der
Saarwirtschaft ihr und damit Deutschland ungeschmälert erhalten
bleibt, Bei dieser Vorsorge ist aber auch daran schon
heute zu denken, daß eine Saarkohle, die nach 1935
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