Die teilweise Überfremdung der übrigen schweren Werke
vollzog sich durch Aufnahme fremden (französischen) Kapitals
jedesmal so, daß dasselbe die Aktienmehrheit erlangte; dies
war der Weg, der eingeschlagen wurde, abgesehen von den schon
besprochenen Fällen vollkommenen Betriebsübergangs der
Werke an Ausländer, So nahmen beispielsweise die Firmen
Gebr, Stumm in Neunkirchen und Homburg sowie Böcking zu
60 v. H. französisches Kapital auf. Frei von französischem
Kapitaleinfluß ist unter den „schweren Werken an der
Saar nur das Stahlwerk Völklingen A.-G, (Röchling} geblieben.
Eine gewisse wirtschaftlich bevorzugte Stellung unter
den Eisen werken des Saargebiets nimmt das eben als vormals
im Besitz der Gebr, Stumm erwähnte Homburger
Eisenwerk mit 2000 Arbeitern in der Saarpfalz heute unter
den veränderten Verhältnissen ein, worauf wir in diesem Zusammenhang
hinweisen möchten, Es liegt direkt am neuen
Grenzzolltor und genießt daher die Durchfuhrausnahmetarife
nach deutschen Seehäfen und Rheinhäfen
für die Ausfuhr nach dem Ausland und ebenso
Ausnahmetarife für seine metallurgischen Erzeugnisse nach
iranzösischen und belgischen Häfen sowie nach Frankreich.
Bei ihr als einer alten Exportfirma sind deshalb
die sonstigen Schäden der Saarwirtschaft infolge dieser
Besonderheit ihrer Lage im ganzen geringer, wenn sich natürlich
auch bei ihr die Zuteilung zum Saargebiet, d.h. die Herausreißung
aus den gewohnten wirtschaftlichen Zusammenhängen
mit der Pfalz bemerkbar machen muß, —
Bevor wir uns nun den übrigen hauptsächlichsten Industriezweigen
des Saargebiets zuwenden, ist bezüglich der Eisenwerke
doch noch kurz zweier besonderer struktureller
Veränderungen zu gedenken, die ebenfalls mit der neuen Grenzziehung
zusammenhängen und bei ihnen ganz besonders hervortreten,
wenn sie allerdings auch zum Teil bei der sonstigen
Saarindustrie in vermindertem Maße erkennbar sind, Einmal:
Das Industriegebiet der Saar, besonders die Eisenindustrie, hat
eine lebhafte Ausfuhr ihrer industriellen Erzeugnisse nötig
und die war sie nach Deutschland zu finden gewohnt, Nachdem
nun mit dem 10, Januar 1925 die wirtschaftliche Absperrung
vom Reich vollzogen war, bemühte man sich natürlich
einerseits nach dem französischen Zollgebiet Absatz zu
finden, was aber nur unzureichend gelang, da Frankreich für saartändische
Erzeugnisse nur gering aufnahmefähig ist. Man versuchte
aber andererseits auch den gewohnten Abnehmerstamm
in Deutschland, der an bestimmte Lieferungen der saarländischen
Firmen gewöhnt war, sich zu erhalten, und das ge-