auf den wir schon hinwiesen, Man braucht in Lothringen nicht
nur überhaupt Leute, sondern solche, die etwas können, und
die an der Lothringer Grenze zusammengewürfelte
Gesellschaft leistet weniger als erprobte Männer aus den alten
Bergmannsfamilien der Saar. Während die Förderleistung je
Mann und Schicht in Lothringen 1926 = 600 kg betrug, betrug
sie an der Saar 692 kg. Es besteht also einmal ein wirtschaftliches
Interesse des lothringischen Arbeitgebers
daran, tüchtige Saarbergleute zu sich herüberzuziehen. Und
trotz der schlechteren Löhne in Lothringen und der verminderten
sozialen Fürsorge dort besteht wegen der geschilderten
Ablegungen und Feierschichten an der Saar die
Gefahr, daß aus den unmittelbaren Grenzdörfern des Saargebiets
eine steigende Abwanderung in Form einer „Schlafhausabwanderung‘
nach Lothringen stattfindet, d. h, daß einheimische
Saarbergleute aus diesen Dörfern unter Beibehaltung
ihres Wohnsitzes in den Grenzdörfern des Saargebietes als
Grenzgänger regelmäßig zu den lothringischen Gruben einfahren
gehen, Der französisch-lothringische Arbeitgeber hat aber
nicht nur dieses wirtschaftliche Interesse, Es liegt für ihn auch
ein ausgesprochenes politisch-nationales Interesse vor.
Die ganze Entwicklung dort in den Grenzdörfern des Saargebiets
wird nämlich auch von den französischen Annektionspolitikern
bewußt gefördert. Die Abstimmung im Saargebiet
findet 1935 ebenso wie die seinerzeitige in Oberschlesien
gemeindeweise statt und die staatliche Zuteilung von
Gebietsteilen an den einen oder anderen Staat findet ebenfalls
nach dem Abstimmungsergebnis in den einzelnen Gemeinden
statt. Hierauf setzen die französischen Politiker
ihre Hoffnung, die wenigstens die eine oder andere Grenzgemeinde
für Frankreich zu gewinnen hoffen. Man rechnet
auf die Stimme des in den Grenzdörfern wohnenden Grenzgängers
aus dem Saargebiet, wenn die Agenten ihm etwa sagen
werden: „Falls infolge deiner Abstimmung die Reichsgrenze
zwischen deinem Heimatdorf und der lothringischen Grube
wieder aufgerichtet wird, so verlierst du deine Arbeitsstätte
auf der lothringischen Grube wieder, und auf den Saargruben
wirst du dann erst recht keine Arbeit finden, da deren
Absatz zu dieser Zeit nach Frankreich aufhört. Richte dich
also bei deiner Abstimmung nach deinem Interesse, denn die
Arbeitgeber in Lothringen werden gerne und auch dauernd den
schlechten ausländischen Arbeiter gegen dich den gelernten
Saarbergmann austauschen.”
In dieser Beweisführung liegt offenbar eine politische Gefahr
für das Ergebnis der Abstimmung in den fraglichen Saar-