Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

diese Arbeitsverhältnisse nun noch weiter zuungunsten
der Lothringer Gruben verschlechtert. Es befindet sich
dort hart an der Saargebietsgrenze eine ganz zusammenhanglose
 national gemischte Masse wurzelloser Arbeiter,
oft auch ohne fachliche Vorbildung. Die Belegschaft stieg
von 17000 Köpfen im Jahre 1913 auf 31000 Mann im Jahre
1926 und der Nationalität nach waren hiervon Lothringer
41,6 v. H., Deutsche 8,5 v. H,, Polen 16,7 v.H., Italiener 9,6 v.H.
und Saarländer 23,6 v.H. (!). Die übrigen sind Österreicher,
 Böhmen, Kroaten u.a. Bergmannsorte wie Karlingen,
Spittel, Merlenbach, Freimengen (8011 Einwohner) haben unter
ihren Bewohnern bis zu 21 Nationalitäten. — Es ist also hier
an der künftigen Reichswirtschaftsgrenze etwas Vergleichbares
entstanden wie für das Wurmrevier in holländisch Limburg, ein
konkurrierender Kohlenabbau nämlich, der auch deutsche Bergleute
 hinüberzieht.
Wir haben aber noch einen besonderen Grund, uns mit
dieser in Verfolg der Förderungssteigerung eingetretenen skrupellosen
 Massierung eines solchen Völkergemischs unmittelbar an
der Grenze des Saargebiets und seinen Folgen eingehender zu
befassen, denn hier sind tätsächlich „Strukturveränderungen”
 der saarländischen Kohlenwirtschaft eingetreten,
 ganz eigentümlicher Art — die allerdings unvergleichbar
 sind mit den neuen Verhältnissen im Wurmrevier bzw. in
holl, Limburg, Die Förderungsvermehrung in Lothringen rührt
nämlich keineswegs nur her von einer Steigerung des Abbaues
der Kohlen unter dem lothringisch - französischen Boden,
sondern auch unter dem deutschen Saargebietsboden.
 Es werden dort im Warndt durch die französischen
 Unternehmer in rücksichtsloser Weise von ihren in
Lothringen in unmittelbarster Nähe der lothringischen Grenze
niedergebrachten Schächten, Stollen unter den Saargebietsboden
 vorgetrieben und die Saarkohle auf dem Lothringer
Boden herausgefördert, ohne daß dem von der Regierungsgewalt
 im Saargebiet, der Saarregierungskommission, Einhalt
geschieht. Auf diese eigenartige Weise steigert sich die Förderung
 der lothringer Kohlen besonders stark. Die im Saargebiet
 für den Saarkohlenabbau eingelegten Feierschichten bekommen
 also doch ein eigentümliches Licht, wenn dann in die
Lothringer Grenzgebiete kaum genug fremde Arbeiter
herangebracht werden können, um gleiche Saarkohlen dort zu
ördern.

Zwischen diesen beiden Punkten aber, Ablegung an der
Saar und Anlegung in Lothringen, besteht noch ein
weiterer ursächlicher Zusammenhang außer _demienigen,
            
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