Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

hierfür nicht dienen. Die Lothringengänger hätten die Anwartschaft
 nur durch eine freiwillige Weiterversicherung
mit deutschen Beitragsmarken neben der französischen
Pflichtversicherung erhalten können. Diese Sachlage ist den
Bergleuten fast durchweg unbekannt gewesen, so daß sie nunmehr
 fast ausnahmslos ihre ehemaligen Markansprüche an
den deutschen Versicherungsträger verloren haben, was für
viele den Ruin ihres Alters bedeutet.
Wir konnten nur in einigen Ausschnitten das Wichtigste
aus den Folgen der neuen Grenzziehung für die Verschlechterung
 der sozialen Rechtslage der Arbeiterbevölkerung
in dem Grenzgürtel an der neuen deutschen Wirtschaftsgrenze
hier mitteilen. Das Gesagte wird ausreichend sein für den
Nachweis, daß die Arbeiterschaft dort in einem vielfachen
Sinne leidet, Einmal ist sie hineingezogen in die Wirtschaftskrisen,
 welche die Betriebe selbst durch die neue Grenzziehung
getroffen haben, und zwar auch die jenseits der heutigen
Grenze, insbesondere die Gruben im Saargebiet, wie wir gehört
haben, und zum zweiten ist das Arbeitsrecht, unter dessen
Geltung sie arbeiten, nicht so wie das ihrer im Reichsinland
tätigen Berufsgenossen fortgebildet worden, ja in Hinsicht der
Höhe der materiellen Leistungen verschlechtert worden.

XVL Von den Wirtschaftsveränderungen im Saargebiet.
Jede Erörterung über den Wirtschaftsverlauf des heutigen
Saargebietes selbst wird ihren Ausgang vom Kohlenber gba
 u nehmen, der das wichtigste Stück des dortigen Wirtschaftslebens
 bildet. Da wir in unserem Kapitel über die Saar-Sänger
 bereits verschiedentlich die Entwicklung der Steinkohlenförderung
 in der heutigen französischen Bergwerksregiezeit
 des Saarbeckens hatten erläutern müssen, kann unsere allgemeine
 Orientierung über den Saar-Steinkohlenbergbau
 sich hier kürzer fassen. — Es haben in ihm die
weitaus größte Bedeutung die vormals fiskalisch - preußischen
Gruben, deren Berechtigungsfeld ein Gebiet von 1109,23 qkm
umfaßt, Die preußische Staatsbergbauverwaltung hatte 1815
nur ein kleines und unscheinbares Erbe an der Saar auf Grund
des zweiten Pariser Friedens vom französischen, napoleonischen
Staate übernommen — 700 Arbeiter förderten etwa 165000 t
jährlich, Dieser Kohlenbergbau hat aber dann in der Zeit der
preußischen Herrschaft einen fast amerikanisch anmutenden
Aufschwung genommen. In dem Jahre vor dem Weltkrieg 1913
waren 80 Förderschächte und 152 Wetterschächte in Betrieb.
An Maschinen waren 2180 Stück mit 1146843 PS an der
            
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