über den Rhein nach dem Inneren des Reiches mit seinen
Wirtschaftsbeziehungen hinüberzugreifen sich bemühen, und
doch harrt die Erbauung dreier neuer Rheinbrücken seit langem
vergebens der Genehmigung durch die Alliierten. Die Erbauung
dreier neuer Bahnlinien, darunter die so dringend notwendige
in der West-Ostrichtung verlaufende Fortführung der rechtsufrigen
Moselbahn von Bullay, wie die der in ihrer Notwendigkeit
ebenfalls unzweifelhaften Strecke Rheinbach—
Liblar—Horrem wurde ebenso verhindert, Bei beiden genannten
Strecken war der Bau seit längerem im Gange,
die Trasse gelegt, sogar waren Tunnelbauten begonnen, die
jetzt verfallen, Die Rheinlandkommission hat indessen nicht
nur neue Streckenbauten inhibiert, auch bereits bestehende
Verkehrseinrichtungen unterliegen ihren Eingriffen. So sollen
etwa 20 in den Jahren 1914 bis 1918 erbaute Verladerampen
abgerissen und unbrauchbar gemacht werden, obgleich
diese heute dem örtlichen Güterverkehr sehr nützlich sind.
Ähnlich wie die im XI, Kapitel erwähnte, gegenüber der
Rheinschiffahrt tätige Kontrollbehörde, C.I.N. C., verfügen die
Alliierten auch über ein oder sogar zwei Kontrollorgane gegenüber
dem rheinischen Eisenbahnwesen, die in gleicher Weise
der Werks- und Betriebsspionage des Eisbahnwesens dienen
können, wie die C.I,N, C. dies gegenüber der Rheinschiffahrt
und den bei ihrer Kontrolle ersichtlichen Handelsbeziehungen
vermag, Für das Eisenbahnwesen heißt die erste dieser Kontrollstellen
„Section Rhenane”, die in der Ruhrzeit von der
französisch-belgischen Eisenbahnregie geschaffen wurde. Die
Section besteht aus abwechselnd zu förmlichen „Reservistenübungen”
einberufenen Beamten und Angestellten verschiedener
[ranzösischer Eisenbahngesellschaften (Midi, Nord usw.). Diese
nehmen regelmäßig wiederkehrende ganz eingehende Besichtigungen
des rheinischen Streckennetzes vor. Besonderes
Interesse besteht nicht nur für die Signal- und Streckenaußeneinrichtungen
des Bahnbetriebes, sondern vor allem auch
für die technischen Werkstätten der Reichsbahn (Kesselschmiede,
Gießerei, Dreherei) und für besondere Arbeitsvorgänge
(z.B. elektrisches Schweißverfahren für Zylinder,
Herstellung der Kurbelzapfenschleifmaschinen usw.). Die Kurse
dienen also einmal dem Erwerb von Kenntnissen über ganz
typische Betriebsgeheimnisse, und zwar im Interesse der Übernahme
derselben auf französische Bahnen, sie sind eine fortlaufende
Ergänzung der während des passiven Widerstandes
erfolgten technischen Aufnahme des rheinischen Eisenbahnnetzes,
und zweitens dienen sie der Erhaltung eines Stammes
von Eisenbahnern, die jederzeit in der Lage sind, notfalls den