Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

sich wie folgt entwickelt. — Im Jahre 1913, einem wirtschaftlich
 keineswegs glänzenden Jahre, wurden auf den Bahnhöfen
des heutigen Eisenbahndirektionsbezirks Trier insgesamt
157660 t Stückgüter abgefertigt. — Im Jahre 1925 waren es
dagegen nur 131971 t, mithin über 25000 t weniger. Selbst
das Jahr 1927, das für die ganze deutsche Wirtschaft im Vergleich
 mit 1913 als ein Jahr relativer Blüte angesehen werden
kann, brachte immer noch einen Wenigerversand von über
4000 t, verglichen mit 1913. Noch deutlicher würde der
Verkehrsrückgang in die Augen fallen, wenn wir, was der
Raum hier wohl nicht gestattet, die Verkehrsziffern der einzelnen
 an den Grenzstrecken gelegenen Bahnhöfe anführen
würden, denn es ist bei nahezu allen Stationen ein starker
Rückgang im Personen-, Güter- wie im Tierverkehr bemerkbar,
Die Beeinträchtigung der Entwicklung des rheinischen
Eisenbahnverkehrs führen wir zwar im Gegensatz zur Entwicklung
 der Rheinschiffahrt inerster Linie auf die neue Grenzziehung
 zurück, deshalb haben wir eine Anzahl von Verkehrszahlen
 bezüglich der Strecken, die direkt oder indirekt zu den
neuen Grenzen führen, vorangestellt; keineswegs aber leidet die
Entwicklung des rheinischen Eisenbahnwesens nur durch die
Grenzziehung, es bestehen noch weitere Gründe, Die Entmilitarisierung
 der Rheinlande und die Art, wie diese Vorschrift
 zwecks Behinderung der Entwicklung des Eisenbahnverkehrswesens
 benutzt worden ist, hat dem Verkehr, insbesondere
 der Entwicklung des Verkehrsnetzes Abbruch getan.
Die ganzen Einschränkungen und Überwachungen, die durch
die Rheinlandkommission, die Feldeisenbahnkommission oder
die Botschafterkonferenz dem Rheinlande auferlegt wurden und
werden, sind heute um so weniger aus dem Gesichtspunkt der
Sicherheit Frankreichs und Belgiens zu verstehen, als die Reichsbahngesellschaft
 doch inter- und damit en tnationalisiert ist,
und daß sie ein selbständiges Geschäftsunternehmen geworden
ist, welches nach rein kaufmännischen Erwerbsgrundsätzen arbeitet
und dem irgendwelche Verkehrsmaßnahmen, die besonderen
militärischen Endzwecken dienen sollten, zuzutrauen doch ganz
grundlos ist. — Da aber die Rheinlande infolge der oft erörterten
 Gründe (Grenzverlegung usw.) neuer Verkehrswege
und auch neuer Bahn verkehrswege bedürfen, so machen alle
Eingriffe von außen in den Betrieb und seine Entwicklung sich
hier besonders schmerzlich fühlbar, Alle diese Gegengründe
haben es leider nicht verhindert, daß die Eingriffe erfolgt sind.
Das Rheinland, dessen linker Wirtschaftsflügel, wie wir ein-Sangs
 sagten, durch den Friedensvertrag verstümmelt wurde,
muß auch mit Hilfe seiner Bahnverbindungen stärker als bisher
            
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