Im ganzen betrachtet konnten die der Schiffahrt bewilligten verbilligten
Umschlagtarife sowie die Zulauftarife zu den Rheinhäfen
(Pos, Nr. D 200, D 202, D 125 lit.) jedoch den Umschlagbetrieb
in den rheinischen, besonders den oberrheinischen Häfen, wie
wir gesehen haben, nicht sonderlich beleben, weil eben doch
die Gegenwirkung einerseits der verbilligten Staffeltarife für
die Langstreckenfahrt auf der Reichsbahn, und andererseits der
verbilligten Seehäfentarife, welche die Reichsbahn für die
Güter, die auf ihr zu und von den Seehäfen rollen, bewilligt
hat, zu groß war,
XI. Die Schifisverluste im Westen außerhalb der eigentlichen
RheinschiffahrtsHotte.
Die Umgestaltung der politischen Verhältnisse im Westen
durch den Kriegsausgang, sowie dieser Kriegsausgang selbst
haben für die deutsche Schiffahrt im Westen neben den Schäden
für die Rheinschiffahrt noch andere Beeinträchtigungen so
schwerwiegenden Umfanges gebracht, daß sie bei einer Darstellung,
welche einen Einblick in die veränderten Wirtschaftskräfte
des Westens geben soll, nicht übergangen werden dürfen,
In der Vorkriegszeit wurde von dem Mosel- und Saargebiet
aus eine lebhafte Schiffahrt auf dem französischen
Kanalnetz betrieben. Bei Kriegsausbruch konnten zahlreiche
der dort verwendeten deutschen Fahrzeuge nicht über die
Grenze zurückgebracht werden, so daß sie von Frankreich weggenommen
wurden. Der damalige Verlust der deutschen
Schiffer bezifferte sich auf etwa 170 Fahrzeuge mit insgesamt
50000 t. Einer geringen Anzahl im Saargebiet ansässiger
Schiffer wurde später die Rücknahme ihrer Fahrzeuge gestattet,
sie mußten die Kosten dem Sequester ersetzen, und die
Schiffe waren auch durchweg stark reparaturbedürftig geworden.
Die anderen deutschen Schiffern gehörigen Fahrzeuge
wurden nicht erstattet; die Schiffer haben überdies auch
die Möglichkeit zur Ausübung ihres Gewerbes, also ihre
Existenzgrundlage verloren.
Bei Auflösung der Westfront fielen weitere 13000 t
deutschen Kahnraums inElsaß-Lothringen in die Hände
der alliierten Truppen. In Belgien mußte auf Grund des
Waffenstillstandsvertrages ein großer Park an Binnenschleppern
zurückgelassen werden; es handelte sich um 240 Schlepper und
Motorboote von zusammen 25000 PS, die von der Militärverwaltung
hauptsächlich in Westdeutschland aufgekauft worden
waren, außerdem hatte dieselbe einen größeren Schiffspark
von deutschen Firmen gemietet, Von diesen Schiffen mußten
197