Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

bezüglich der Entwicklung der westlichen Industrie
mehrfach erwähnte Konzernbildung auch in der Rheinschiffahrt
 Fortschritte, nachdem bereits 1904 mit der Gründung
des Kohlenkontors der erste Schritt hierzu getan war. Sowohl
weitere Angliederungen von Kohlenreedereibetrieben an Bergwerksgesellschaften
 (also vertikale Gliederung wie beim Kohlenkontor)
 fanden statt, als auch re in e Reederei- und Speditionsbetriebe
 schlossen sich untereinander zusammen. Wir erwähnen
 von solchen zahlreichen Zusammenschlüssen von
Reedereibetrieben: den Rhein-See-Konzern, den Fendel-Konzern,
den Rhenania-Konzern und den Schroers-Konzern. Unter
diesen genannten Vereinigungen im Sinne einer weiteren
Steigerung der Konzernbildung ist noch von erheblicher
wirtschaftlicher Auswirkung die Vereinbarung zwischen
dem Rhein-See-Konzern und dem Fendel-Konzern über die Zusammenlegung
 ihres Güterdampferbetriebes unter einheitlicher
Leitung gewesen. — Bezüglich der erstgenannten neuen Zusammenschlüsse
 zwischen Kohlenreedern und Bergwerksgesellschaften
 erwähnten wir, an Organisationen vergleichbar
dem Kohlenkontor, daß die Raab-Karcher Fahrzeuge heute als
die Flotte des Stahltrustes anzusehen sind. Dagegen
scheiterten dessen Übernahmeverhandlungen bezüglich der
Thyssenkähne und -dampfer; statt dessen übernimmt eine 1926
gegründete Raab-Karcher-Thyssen-G. m. b. H. rechnungsmäßig
den Umschlag beider an den verschiedenen Rheinplätzen als
Betriebseinheit, ohne daß die neue Firma indessen selbst
Fahrzeuge übernahm,
Auch eine Schilderung der Schwierigkeiten in der Lage der
Rheinschiffahrt muß auf das Eisenbahntarifproblem, wie
es sich in den Beziehungen zwischen Reichsbahn und Rheinschiffahrt
 spiegelt, wieder zurückkommen, wie dieses Problem
überhaupt immer und immer wieder die rheinischen Wirtschaftsverhältnisse
 überschneidet. Bei Erörterung der Frachtverhältnisse
 des Wurmkohlenreviers haben wir die Frage des
Verhältnisses von Reichsbahn zur Rheinschiffahrt bereits angeschnitten,
 Die Eisenbahn macht der Rheinschiffahrt Konkurrenz
 durch den sogenannten Staffeltarif, d. h. durch
Verbilligung ihrer Langstreckenfracht, insbesondere von den
Seehäfen aus, und Verteuerung ihrer Kurzstreckenfracht, die
das Massengut trifft, das zum Rheinschilfahrtswege hinfährt,
natürlich um das Frachtgut möglichst selbst bis zum Endziele zu
behalten. Die Anträge der Schiffahrt dagegen gehen auf Einführung
 besonderer ermäßigter Umschlagtarife für sie, und
hier hat die Reichsbahn inzwischen auch einiges Entgegenkommen
gezeigt, Auf Einzelheiten hann hier nicht eingegangen werden.

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