Full text : Die Wirtschaftsnöte des Westens durch Kriegsausgang und Grenzziehung

von 1914 festzustellen. Die deutsche Tonnage ist nämlich
heute nicht mehr effektiv um den abgetretenen Schiffsraum
 vermindert, sondern die vom Reich den abgetretenen
Reedern für den an Frankreich gelieferten Schiffsraum
gezahlten Entschädigungen mußten von ihnen wieder zu
Neubauten verwandt werden, Es wurde also sehr viel
neugebaut”), und ganz im rohen verglichen ist zu dem
Schiffsraum der Rheinflotte heute der französische Schilfsraum
 eigentlich noch hinzugekommen. Keineswegs aber
ist eine im gleichen Verhältnis stehende Vermehrung der
Frachten eingetreten, wie dies die Wirtschaftslage ja ohne
weiteres vermuten ließ, Die primäre Veränderung gegenüber
den Verhältnissen vom Jahre 1913/14 ist also ein Überangebot
 an Kahnraum, verglichen mit dem derzeitigen
Bedürfnis, und hierin ist zunächst die mißliche Lage der Rheinschiffahrt
 umschlossen, die sich im Aufliegen vieler Kähne und
im Tiefstand der Frachten und Schlepplöhne äußert. Die
Tatsache zeigt ihre Wirkung darin, daß der Frachtenindex
(also die Höhe der Frachtsätze) nicht über 110 (1913 = 100)
hinausging, manchmal sogar unter 100 blieb. Dies Überangebot
an Kahnraum hat neben der allgemeinen Wirtschaftsmisere
und der Vermehrung des Kahnraumes selbst aber noch eine
Reihe weiterer gesonderter Ursachen wie wir schon sagten.
Durch die Rationalisierungsmaßnahmen der
deutschen Wirtschaft mußten Stillegungen kleinerer, unrationell
 arbeitender Betriebe erfolgen, und zwar waren es vielfach
 auch solche (Ölmühlen, Getreidemühlen und kleinere
Fabriken), welche ihre Rohstoffe fast ausschließlich über den
Rhein bezogen haben. Ferner wurden die Schiffstransporte
dadurch verringert, daß durch die Bildung der Konzerne
die Transportstrecke verkürzt wurde, da die Lieferung an die
Verbraucher nunmehr von dem frachtlich günstigsten Werk
aus erfolgte,
Der Verkehr auf dem Oberrhein speziell wurde durch
die Umgestaltung der Verhältnisse in der Schweiz betroffen.
Die Elektrifizierung der dortigen Bahnen verminderte den
Kohlenbezug auf Rheinkähnen, und der noch übrige Bezug an
Kohlen erfolgt außerdem jetzt vermehrt aus Frankreich nach der
Schweiz, Die Rheinschiffahrt des Oberrheines wurde ferner
merklich beeinflußt außer durch die schweizerische Elektrizitätswirtschaft
 auch durch die Umbildung der Elektrizitäts
 wirtschaft in Süddeutschland, Die Kabel-*)

 Seit 1919 beträgt der gesamte Zugang 1068 Rheinkähne mit
1 082 355 t und 103 Schlepper mit 111621 PS,

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