industrie wie in Euskirchen finden wir im besetzten linksrheinischen
Gebiet noch in Aachen, die dieser Stadt seit Jahrhunderten
mit das entscheidende Gepräge gibt. Die Industrie
umfaßt Wollwäscherei, Streichgarnspinnerei, Weberei, Färberei
und Appretur., Im Stadtbezirk Aachen werden zur Zeit
13 250 Arbeiter in dieser Industrie beschäftigt gegenüber 14 000
vor dem Kriege, Veränderungen gegen früher haben sich insofern
gezeigt, als im Gegensatz zu der früher stark ansässigen
Streichgarnindustrie zur Zeit nur etwa ein Viertel Streichgarne,
dagegen drei Viertel Kammgarne verarbeitet werden, Spinnerei
wie Färberei sind teils selbständige Betriebe, teils Nebenbetriebe
von Tuchfabriken, Die Tuchindustrie ist mit ihren
6000 Webstühlen und ihren 130000 Spindeln in der Lage,
450000 Stück Wollentuche oder rund 20000000 m Tuch im
Jahre herzustellen, Außer vollfarbigen Kammgarnen und
Cheviotstoffen werden u. a. hergestellt: stückfarbige Eskimos,
wetterfeste Mantelstoffe, stückfarbige Kammgarnstoffe, Moltons,
Drapees, Livreestoffe, endlich auch Uniformtuche, Filz-,
Billard- und Klaviertuche sowie Kamelhaarstoffe.
Auch die Aachener Textilindustrie hat in den an die Währungsstabilisierung
anschließenden Jahren schwere Zeiten
durchgemacht, Mangel an Betriebsmitteln sowie ganz unzureichende
Aufträge bewirkten, daß nur mit stark eingeschränkter
Belegschaft und zudem nur verkürzt gearbeitet werden konnte.
An eine Rentabilität war in diesen Jahren nicht zu denken.
Nach dem Ende des Ruhrkonflikts hat sich die Aachener Textilindustrie
allmählich wieder erholt. In den letzten Jahren
konnten Beschäftigung und Auftragseingang, besonders aus dem
Inland, als befriedigend bezeichnet werden. Unbefriedigend
waren jedoch die erzielten Preise im Verhältnis zu den stark
gestiegenen Herstellungskosten, und zwar infolge des Druckes
durch die ausländische, englische und französische, Konkurrenz,
die seit Inkrafttreten des deutsch-französischen Handelsvertrages,
der für ausländische Wollgewebe Ermäßigung der deutschen
Zollsätze vorsieht, vorgedrungen ist. Umgekehrt hat die
Ausfuhr von Aachener Textilwaren bei weitem noch nicht
wieder die Höhe erreicht, die sie vor dem Kriege hatte. Die
nach der deutschen Reichsstatistik zwar steigende Ausfuhr von
wollenen Geweben entfällt vorwiegend auf geringwertigere
Stoffe, die im Aachener Bezirk kaum hergestellt werden.
Von den Hilfsindustrien der Aachener Textilindustrie ist
endlich hier noch erwähnenswert die Kratzenindustrie,
und zwar um deswillen, weil in Aachen fast die Hälfte aller
deutschen Kratzmaschinen läuft; sodann noch die Schermesserindustrie,
denn die älteste Tuchschermesserfabrik
An