dadurch betroffen, daß ihre Filialen, Einkaufshäuser und Läger
in Indien der Beschlagnahme durch den Feind anheimfielen.
75 v.H. der Ziegenfelle für unsere Feinlederindustrie kamen
aus Ostindien, welche diejenigen Firmen, die keine eigenen
Faktoreien hatten, auf den Auktionen in London erstanden.
Trotz dieser zeitweise schweren Verluste und Beeinträchtigungen
ist bezüglich des Fabrikates heute, nachdem die Wirtschaftsverbindungen
wiederhergestellt sind, der Geschäftsgang
sogar eher günstiger geworden als vor dem Kriege, und zwar
gerade bezüglich des Auslandsgeschälfts, und das, obschon ferner
eine starke amerikanische Konkurrenz eingesetzt hat und eine
Reihe anderer ausländischer Staaten, bei denen zwischenzeitlich
eine eigene Feinlederindustrie erstarkt ist, sich durch Einfuhrverbote
oder unterschiedliche Behandlung im Zoll gegen die
deutsche Einfuhr absperren. Daß dieser Neomerkantilismus der
fremden Staaten, der als eine allgemeine Nachkriegserscheinung
an und für sich gerade dem hochindustriellen und deshalb unbedingt
auf Export. angewiesenen Rheinland besonders verhängnisvoll
. werden mußte, der Ausfuhr der rheinischen Feinlederindustrie
nicht so gefährlich werden konnte, hat
seinen Grund in der allgemeinen Nachfrage nach feinfarbigen
Damenlederschuhen und der fast gleichgroßen Nachfrage nach
dem indischen gegerbten Ziegenleder für Kinderschuhe. —
Anderseits hat diese Veränderung des Modegeschmacks ein
vollkommenes Daniederliegen des Geschäfts in schwarzem
Chevreauleder hervorgerufen, und auch die Nappalederartikel
liegen im Vergleich zur Vorkriegszeit sehr schwach. — Der Sitz
der rheinischen Feinlederindustrie, soweit sie in den Rahmen
dieser den preußischen Grenzgebieten im Westen gewidmeten
Untersuchung fällt, befindet sich im Handelskammerbezirk
Koblenz.
Bezüglich der rheinischen Holzindustrie möchten wir
uns auf die Absatzveränderungen des Rohholzes beschränken.
— Es hat, wie hier wohl grundsätzlich eingeschoben werden
darf, der Schwerpunkt unserer ganzen Schilderung ja nicht
auf dem Grundriß einer rheinischen Wirtschaftsgeschichte überhaupt
zu liegen, bei der die Großindustrie, die ganzen Gegenden
das Gepräge gibt, in den Vordergrund zu rücken wäre, sondern
es handelt sich gewissermaßen um eine „Pathologie“ der Wirtschaft.
Wenn also z. B. in überwiegend ländlichen Bezirken
(wie Trier und Koblenz) nur eine kleinere und mittlere Industrie
gewissen Umfanges sitzt, welche aber leidet oder sich
wesentlich umgestaltet hat, so war zu schildern, wie sie leidet,
denn es ist unsere entscheidende Aufgabe, die Änderungen
des rheinischen Wirtschaftsgesichtes nachzuweisen. und da