nur eine Scheinkonjunktur, und sie sollte auch bald enden,
als mit der Festigung der Währung wieder die internationale
Konkurrenz, und zwar zugleich mit den Auswirkungen des
Versailler Vertrages, sich nunmehr auch für die Lederindustrie
zeigte. Nur die in der Zeit der eben erwähnten Hochkonjunktur
durchgeführte Betriebsrationalisierung hat es den
gesunden Betrieben ermöglicht, daß sie die jetzigen
Schwierigkeiten bisher durchhalten konnten.
Worin bestehen hauptsächlich diese Schwierigkeiten?
Die politischen insbesondere? Einmal, der Heeresbedarf an
Sohlleder fiel vollkommen für diese Firmen aus, und dann war
für sie nach ihrer Lage der bisherige Absatz in die westlichen
Abtretungsgebiete, besonders ins Saargebiet, von besonderer
Bedeutung gewesen, dessen Ausfall sich seit 1925 mit
dem Eintritt des Saargebietes in das französische Zollsystem besonders
auswirkte. Nach einer Wirtschaftsenquete der in Frage
kommenden Handelskammerbezirke Trier und Koblenz, die uns
noch näher beschäftigen wird, hatte von sämtlichen befragten
Firmen früher nur eine (kleine ländliche) keinen Absatz
nach dem Saargebiet. Der Prozentsatz des ehemaligen,
nunmehr verlorenen Absatzes der übrigen nach
dort schwankte aber zwischen 10 und 100 v. H, ihrer Sohllederproduktion.
Weiter, auch für den Bezug ihrer Werkstoffe
(der genannten Eichenlohrinde) griff eine größere Anzahl auf
die Lohhecken des Saargebietes über, eine davon auch diesbezüglich
mit einer Beanspruchung derselben in Höhe von
80 v. H. Es wird einleuchten, wie schwierig diese gleichzeitigen
Umstellungsnotwendigkeiten für den Bezug der Werkstoffe wie
das Suchenmüssen von neuen Absatzgebieten sich für die Industrie
des Sohl- und Kernleders auswirken mußten. Im Bezirk
Koblenz erreichte die Sohllederproduktion im ersten Jahre des
Eintretens des oben angedeuteten Zustandes nur noch ein Drittel
der früheren normalen Produktion. Mitwirkend zu der ganzen
ungünstigen Entwicklung ist endlich auch der Umstand gewesen,
daß alle Nebenbetriebsstoffe, wie Kalk und Chemikalien,
im Vergleich mit dem Friedensstand heute einen Aufschlag von
über 50 v.H. erfordern.
Günstiger als für das Sohlleder war die Nachkriegsentwicklung
für die rheinische Feinlederindustrie. Auch sie bezieht wie
die Sohllederindustrie die Häute meist von Übersee, insbesondere
von Südamerika und Indien, Während aber der Absatz der Sohllederindustrie
(insbesondere heute) fast ausschließlich nach dem
Rheinland und seiner Umgebung geht, spielt bei der Feinlederindustrie
der Auslands absatz die entscheidende Rolle. Die
rheinische Feinlederindustrie wurde bei Kriegsausbruch schwer
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