bezüglich ihrer Werkstoffe auf dem Vorhandensein von
Eichenschälwald in jenen dürftigen Gebirgsgegenden
aufbaute; denn als Gerbemittel verwendete sie früher
ausschließlich die Eichenlohe, also die gemahlene Rinde
von .Eichenstangen. Es besteht demnach ein ausgesprochener
Zusammenhang zwischen dem Gedeihen der _Lederindustrie
und der _forstwirtschaftlichen Ausnützbarkeit
des dortigen Niederwaldes, der ‚meist Gemeindewald
ist, Die ungünstige letzte Vor kriegsentwicklung dieser altberühmten
westrheinischen Sohllederindustrie muß zum Verständnis
kurz gestreift werden. Die Einfuhr des .amerikanischen
Hemlockleders und der billigen amerikanischen
Schnellgerbemittel, insbesondere des Quebrachoholzes . (das
nur halb so teuer ist und doppelt so schnell gerbt wie Eichenlohe),
bewirkte einen Sturz der Sohllederpreise und eine große
Entwertung der Eichenschälwaldungen., Die Einfuhr dieser
amerikanischen Produkte bewirkte in Deutschland eine Umlagerung
der Standorte der Lederindustrie nahe an die Handelshäfen
des Überseeverkehrs, zum mindesten aber direkt an
die Hauptwasserstraßen, etwa mit nahem Anschluß an. die
Rheinwasserstrecke (so sei als ein Beispiel nur die Firma
Coupienne in Mülheim [Ruhr] genannt). Den alten, im Innern
der Rheinprovinz liegenden zahlreichen Gerbereien aber, die
sich, wie gesagt, auf dem Eichenschälwald aufbauten, war. mit
dieser neuen Betriebsorientierung — die Häute bezogen sie
schon früher von auswärts — der Boden weggezogen., Nur
besonders hoch und bereits fabrikmäßig entwickelte Lederwerke
konnten sich mit Mühe halten. — Der Ausbruch des
Krieges brachte dann der notleidenden rheinischen Lederindustrie
in letzter Stunde eine Rettung, die nur leider keine
dauernde Besserung geblieben ist. Mit der Wirtschaftsblockade
Deutschlands hatten sich nämlich die Betriebsvoraussetzungen
wieder zugunsten der Eichenloh gerberei
verschoben. Es war. von großem Vorteil für diese Gerbereien,
daß sie nicht vom Auslandsbezug ihrer Werkstoffe abhängig
waren, Die Eichenlohe erzielte wieder hohe Preise, und für
das Sohlleder entwickelten sich weite Absatzmöglichkeiten
durch die lohnenden Heereslieferungen, für die jetzt
die rheinischen Gerbereien zahlreiche und ‚große Aufträge
erhielten, Dieser seit 1914 eingetretene Aufschwung wurde zur
Höchstkonjunktur in der ersten Nachkriegszeit, als die Inflation
mit ihrer schutzzollartigen Wirkung jede Einfuhr nach Deutschland
unmöglich machte, während sie im Inland Verbilligung der
Produktion und damit gesteigerte Ausfuhr zur Folge hatte, Es
war indessen zuletzt doch wohl auch für die Lederindustrie