vorwegnahmen, daher die 62 Betriebe, die im Bezirk Aachen
zum Erliegen gekommen sind, Was das aber bedeutete für die
Wirtschaft des Aachener Bezirks, ersehe man aus einem
Beispiel aus diesen Stillegungen: Das mehrfach erwähnte stillgelegte
Hüttenwerk „Rote Erde” bedeutete einen Lohnausfall
— der dann aus der dortigen Werktätigkeit der
4600 Arbeiter regelmäßig dem Bezirk zufloß — von 6 Mill, RM.
jährlich. Die Mindereinnahme an Frachten für die Reichsbahn
aus Versand und Empfang dieses Werkes belief sich auf
95 Mill RM, im Jahr. Die Stadt Aachen speziell verlor
durch den Fortfall von Rote Erde 55 v. H. ihres Wagenladungsverkehrs,
ausdrücklich begründet aber wurde die Stillegung des
Werkes von der Verwaltung mit der frachtlichen Wettbewerbsunfähigkeit
gegenüber der Ruhr und den Nachbarländern
Holland und Belgien; denn endlich auch Belgien
gegenüber ist die Lage im Vergleich mit der Vorkriegszeit verändert,
Die Kohlen im Campinegebiet (Mons-Charleroi) sind wie
die holländischen von ähnlicher Beschaffenheit wie die Wurmkohlen,
und auch die belgische Regierung sieht im Ausbau ihres
Wasserstraßennetzes, d.h, eines Kanals Lüttich—Antwerpen
als Großschiffahrtsweg, das Mittel, die Campinekohle
über Antwerpen auf dem frachtbilligen Rheinwege tief in die
Absatzgebiete des südlichen Deutschlands und weiter der
Schweiz und Italiens einzuführen, um dort ebenfalls den Wettbewerb
der Aachener Kohle mit ihren höheren Bahnvorfrachten
auszuschalten”),
Was wäre nun das Mittel, den Aachener Steinkohlenbergbau
und die auf ihm dort aufgebaute Industrie zu retten und
ihr die Konkurrenzfähigkeit wiederzugeben? Trotzdem die
Reichsbahn-Gesellschaft dies nicht wahrhaben will und behauptet,
daß auch sie mit Frachtsätzen, die ihr bei einer
noch rationelleren Anwendung ihrer Betriebsmittel möglich
werden würden, dem Bezirk helfen könne, muß dies bestritten
werden, und es kann die einzige Möglichkeit der Rettung nur
in der Schaffung einer Wasserstraße von Aachen zum Rhein
erblickt werden, die es der Aachener Kohle ermöglichte, mit
reiner Wasserfracht, deren größere Billigkeit doch wirklich
ernsthaft nicht in Frage gestellt werden kann, Mannheim zu
erreichen, um so ingleicherLa ge mit ihren Konkurrenten
auf dem Kohlenmarkt auftreten zu können. Dieser Kanal ist
bzw. wäre der auf unserer Karte ersichtliche Aachen-Rhein-Kanal
°) Belgien führte 1928 im Monatsdurchschnitt 347000 t aus; gegen
242 500 t im Jahre 1927 eine Steigerung, die auf die weitere Entwicklung
im Campinebecken in erster Linie zurückzuführen ist.
LOCO