das linksrheinische Grenzgebiet im allgemeinen, ist durch oftmalige
Behandlung der Fragen dieses Bezirks in den Parlamenten
wohl schon der allgemeinen Erkenntnis der politisch
interessierten Deutschen nähergerückt. Aber es ist dennoch
etwas schwierig; über die eigentlichen Gründe dieses Zustandes
sich volle Klarheit zu verschaffen, da die dortigen
wirtschaftlichen Interessenverbände einerseits und anderseits
die Denkschriften der Reichsbahngesellschaft, die beide in verschiedener,
entgegengesetzter Richtung an der Art der
Regelung der dortigen Verhältnisse interessiert sind, hierfür
durchaus verschiedene Ursachen anzuführen pflegen.
Das Eschweiler Kohlenrevier liegt fast an deräußersten
Westgrenze des Rheinlandes; es ist also ein ganzes Industriegebiet,
das an sich schon frachtlich am ungünstigsten im Reiche
gestellt ist, und das wirkt sich in Konkurrenz zunächst mit
anderen deutschen Kohlengebieten aus. Es hat ferner gelitten,
wie andere Bezirke, durch die. Sanktionspolitik, die zehnjährige
Besatzung und den Separatismus, Es hat endlich durch
die Abtretung der Kreise Eupen und Malmedy sein unmittelbares
Hinterland verloren. So schwer gewiß gerade diese
Schädigung war, es teilte sie mit manchen anderen
Grenzgebieten des Westens, von denen ebenfalls die neue
Grenzziehung gewohntes wirtschaftliches Hinterland abirennte.
— Was aber für das Aachener Industriegebiet einzigartig
hinzuwirkte, mit dem Ergebnis, daß in den letzten vier
Jahren innerhalb des Regierungsbezirks im Bergbau, aber auch
in Schwer- und Fertigindustrie sechzig Betriebe mit rund
12000 Arbeitnehmern stillgelegt wurden — darunter als weit
sichtbares Mahnzeichen unmittelbar vor den Toren der Stadt
die weiten verlassenen Arbeitsstätten des bereits genannten
Hüttenwerks Rote Erde —, das war noch etwas anderes.
Nämlich das Aufkommen eines übermächtigen neuen Konkurrenzkohlenbergbaues
in unmittelbarer Nähe,
jenseits der Reichsgrenze in der holländischen Provinz Limburg.
Zunächst wird es dem Wirtschaftsbeobachter einige Bedenken
erregen, sich zur Annahme derartig katastrophaler Folgen
durch die Förderungsentwicklung des neuen holländischen
Kohlenbergbaues zu entschließen; denn diese Kohlengebiete
liegen doch außerhalb der Reichs- also außerhalb der
deutschen Wirtschaftsgrenze, und eine nahe benachbarte Konkurrenz
gleichartiger Kohlen hat es für das Wurmrevier ferner
doch auch schon früher immer seitens des belgischen Campinegebietes
gegeben. Man wird also fragen: worin liegt das
Neue, das Besondere, das geradezu Verhängnisvolle der neuen
holländischen Konkurrenz? Wie war es möglich, daß diese