2.3 Autonome Kontrollmechanismer.
Vor dem Hintergrund der bundesweiten Diskussion über den
notwendigen Abbau bürokratischer Vorgaben für die Hochschulen
und deren Ersatz durch autonome Kontrollmechanismen
durch die Hochschulen selbst, hatte das Ministerium mit
Schreiben vom 22.03.1994 die Universität darum gebeten,
kurzfristig ein Modell zu entwickeln, das eine leistungsbezogene
Bewirtschaftung der Titelgruppe 81 ermöglichen sollte.
Dieses sollte schon für 1995 die Mittel der Titelgruppe
81 zu 20 % einem neuen Verteilungsmodus unterwerfen, und
zwar mit einer Steigerung des diesbezüglichen Anteils von
je 20 % für die Folgejahre. Die Universität unterstützt im
Grundsatz das vorgegebene Ziel; sie hat aber im Hinblick
auf die vorgeschlagenen Modalitäten um Verständnis dafür
gebeten, daß Art, Umfang und Zeitrahmen der Mittelverteilung
sorgfältiger Überlegung bedürfen. Hinsichtlich einer
leistungsbezogenen Mittelverteilung wird derzeit bundes-,
ja europaweit diskutiert und zum Teil experimentiert; die
Problematik gilt als außerordentlich vielschichtig, insbe-Sondere
weil Transparenz über die vergleichbaren Kosten
für die einzelnen Fächer an den verschiedenen Hochschulen
kaum vorhanden ist. Die 1994 veröffentlichte Studie des
Wissenschaftsrats über Daten und Kennzahlen zur finanziellen
Ausstattung der Hochschulen versucht erstmals, Klarheit
zu schaffen; die methodischen Probleme dieses Versuchs sind
evident geworden. Gegenüber schon realisierten Ansätzen
leistungsbezogener Mittelverteilung in einigen anderen Universitäten
ist auf folgende Besonderheiten hinzuweisen:
Mittel für Bücher gehören im Saarland zur Titelgruppe
81, eignen sich aber kaum für variierende Mittelzuweisungen;
dementsprechend bleiben sie von leistungsbezogener
Mittelverteilung an anderen Universitäten auch ausgeklammert.
Kleine Fächer brauchen eine Art Sonderschutz; ein solcher
müßte in ein System des Leistungsbezugs integriert
werden.
Das System bedarf überdies eines Mindestmaßes an Akzeptanz
in der jeweiligen Hochschule. Akzeptanz verlangt
andererseits wiederum ein sehr behutsames Vorgehen bei
Veränderungen. Akzeptanz setzt zudem Transparenz über
den Status quo der Mittelverteilung voraus ("armes" oder
"reiches" Fach?) sowie über die Ziele eines Anreizsystems
(kurze Studienzeiten? Wissenschaftlicher Nachwuchs?
Drittmittel?). Akzeptanz würde von vornherein verfehlt,
wenn man ein System leistungsbezogener Mittelverteilung
als verdecktes Mittel zur Fächerumstrukturierung der Universität
gebrauchen würde.
Die Universität muß sich dem zunehmenden Wettbewerb im
Kochschulbereich stellen. Dieser wird Transparenz über
die relativen Kosten der Fächer bzw. der Ausbildung von
Studierenden, über die relative Dauer der Studienzeit, über
die Stärken und Schwächen der Fächer bringen. Sich darauf