EXIT
Nr. 5/93
Die Würde des Menschen
ist angetastet
Gemeinsame Erklärung des Präsidenten und der Personalräte
der Universität des Saarlandes
In der bewußt auslandsorientierten
Universität des Saarlandes pflegen
wir gegenüber unseren ausländischen
Kolleginnen, Kollegen und Studierenden
einen freundschaftlichen Umgang.
Das sollte uns jedoch nicht die
Augen verschließen lassen vor drohenden
Gefahren in unserer Gesellschaft
allgemein, vielmehr sollten gerade
wir wachsam sein:
Angesichts der Eskalation der Gewalt
von Deutschen gegen Nichtdeutsche
und gegen Deutsche, die für Ausländer/innen
gehalten werden, rufen
wir alle an der Universität des Saarlandes
Beschäftigten auf, entschlossen
und konsequent gegen jede Diskriminierung
von einzelnen oder von
Minderheiten und aktuell insbesondere
für die Menschenrechte der in
Deutschland lebenden Ausländerinnen
und Ausländer einzutreten.
Leider ist es eine traurige Tatsache,
daß trotz der förmlichen Deklaration
der Menschenrechte in Staatsverfassungen
und überstaatlichen Konventionen
die Mißachtung eben dieser
geltenden Rechte an der Tagesordnung
ist. Alarmierend ist es jedoch,
daß in Deutschland politisch motivierte
Menschenrechtsverletzungen
— von verbalen Diskriminierungen
bis zum skrupellosen Mord — sich
wie eine Seuche ausgebreitet haben
(Saarbrücker Zeitung vom 7. 6. 1993:
„Jerrorbilanz: In fünf Monaten 750
rechtsextreme Gewalttaten“).
Wir erinnern daran, daß ausländische
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
in Betrieben und Verwaltungen
ebenso wie in die Nachbarschaft
unserer Stadtteile seit vielen Jahren
fest integriert sind. Diese positive Erfahrung
der Integration und des
friedlichen und humanen Zusammenlebens
muß auch dann unsere
Richtschnur bleiben, wenn die Verteilungsfragen
in unserer Wohlstandsgesellschaft
zu politischen Auseinandersetzungen
führen.
Wir rufen deshalb gemeinsam zu
einem entschlossenen und konsequenten
Auftreten gegen jede Form
von Ausländerfeindlichkeit und
Rechtsextremismus in unserer Dienststelle
auf und bitten alle Angehörigen
der Universität, sich diesem Aufruf
anzuschließen und aktiv zu einem
Klima des kollektiven Vertrauens zwischen
ausländischen und deutschen
Kolleginnen und Kollegen, Studen-‘innen
und Studenten, Mitbürgerinnen
und Mitbürgern beizutragen.