Hohe Anforderungen Ihrer Hochschule sollen Sie jedoch hauptsächlich
dem ursprünglichen Ziel allen eigenen Studierens
näherbringen, unabhängig von den speziellen Sachverhalten an
die Grenzen der eigenen Fähigkeiten vorzustoßen und die wesentliche
Selbsterfahrung und Erkenntnis zu gewinnen, was man
kann und was man nicht kann, was man weiß und was man nicht
weiß. Geht es doch um die Aneignung des methodischen Lernens
und Arbeitens, zumal nicht vorauszusehen ist, welche Herausforderungen
auf den akademisch Geschulten in zwanzig oder
äreißig Jahren zukommen werden.
Kurzum, nach den ersten vierzig Jahren erwarten wir die Gewinnung
von Neuland, neue Initiativen von seiten der Hochschullehrerinnen
und Hochschullehrer und von seiten der Stuäentinnen
und Studenten. Ich denke nicht zuletzt an eine Modäernisierung
und Verkürzung des Grundstudiums und habe mich
gleichfalls in der Westdeutschen Rektorenkonferenz für das
sogenannte "Modell 4 plus" ausgesprochen, d.h. ein vierjähriges
Grundstudium plus eine je nach Studienfach angemessene
Ergänzungs- und Prüfungsfrist, damit Zeit für Aufbaustudien
und die unumgängliche Weiterbildung frei wird.
Ein Wort erwarten Sie vielleicht zum Universitätsgesetz. Die
Beratungen über die nun erneute Novellierung des Saarländischen
Universitätsgesetzes stellen derzeit ein schwebendes
Verfahren im saarländischen Parlament dar, welches als Legislative
für mich den höchsten Stellenwert in unserer Demokratie
innehat. Ich enthalte mich deshalb heute einer öÖffentli--hen
Beurteilung.
was diese Hochschule zur Selbstbestimmung der Wissenschaft
grundsätzlich zu sagen hatte, hat sie seit 1986 bei den Besuchen
aller politischer Parteien in unseren Senatsräumen geäußert,
und seither änderte sich die Haltung einer Universität
nicht, welche zu den Unterzeichnern der großen Deklaration
von Bologna über das Gemeingut der freiheitlich verfaßten
europäischen Universitäten gehört!
Lassen Sie mich bitte abschließend einige Worte zitieren, die
am Anfang unseres Universitätslebens stehen:
Der damalige Ministerpräsident Johannes Hoffmann sagte 1948 -
hier auf dem Saarbrücker Campus - über die Universität des
Saarlandes: "Sie ist die Pflegestätte des Geistes, der die
Enge zu überwinden sucht und nach europäischer Weite strebt.
Sie soll eine von tiefster Ergriffenheit zum Beruf und vom
richtigen Verhältnis zur Gemeinschaftsordnung beseelte Akademikerschaft
erziehen, die sich bewußt ist, daß Ideen immer
stärker sind als äußere Gewalt."
Ind der seinerzeitige Hohe Kommissar der Französischen Republik,
Gilbert Grandval gab uns mit auf den Weg: "Anläßlich der
Eröffnung der Universität des Saarlandes heiße ich die Professoren
und Studenten willkommen, die dieses Jahr an der Gestaltung
eines für das Saarland und für die Annäherung der
europäischen Völker wesentlichen Werkes mitarbeiten."