Full text : 14.1987 (0014)

mehrfacher Skepsis traten inzwischen ein überzeugtes Engagement
 und positive Erfahrungen über die gemeinsame Urteilsbildung.


Dies erzähle ich Ihnen, den Jüngeren, als ein Beispiel dafür,
daß eine intakte akademische Gemeinschaft auch zahlreichen
Pressionen erfolgreich Widerstand leisten kann - und um Sie
darauf vorzubereiten, welchen Zumutungen auch Sie auf Schritt
und Tritt begegnen werden, welche die akademischen Vertreter
ja mehr und mehr in Verruf bringen könnten, wenn zum Beispiel
gesagt werden dürfte, jedes wissenschaftliche Gutachten, jede
Expertise sei käuflich. - So nicht!

Es sei nochmals betont, daß ich ein solches Auswahlverfahren
als eine zweitbeste Lösung ansehe, und zwar mit der Zielrichtung,
 möglich viele Jugendliche zu einem Studium zuzulassen.
Es wird ja auch bei uns überlegt, ob dies nicht eine Verschwendung
 von "Ressourcen" oder ob nicht die Planwirtschaft
osteuropäischer Staaten vorteilhafter sei, auch das Studium
je nach Bedarf zu reglementieren.

Ich meine, so wie eine Familie ihren eigenen Kindern, müßte
ein Gemeinwesen seiner Jugend die beste Mitgift und Starthilfe
 bieten, als wichtigste Investition für die Zukunft! Und
dazu rechne ich die Ermöglichung eines Studiums. Rascher als
täglich bedacht, hat die Jugend mehr und mehr Aufgaben von
uns Älteren zu übernehmen und sich in den immer komplexeren
Verhältnissen der modernen hochtechnisierten Zivilisation und
Demokratie zu bewähren. Wenn wir von mündigen Bürgern sprechen,
 dann müssen wir ihnen die Voraussetzungen mitgeben, um
in einer komplizierter werdenden Gesellschaft auch sinnvolle
Entscheidungen treffen zu können. Allerdings will ich
sogleich hinzufügen, daß für diejenigen, die so studieren
können, keine Garantie eines angemessenen Arbeitsplatzes gegeben
 werden kann; und auch keine Garantie dafür, daß sie
morgen zur sogenannten Elite der Nation gehören werden.

Zurück auf das vergangene Jahr gewendet, möchte ich wieder
den Dank aussprechen an alle Bürger des Landes, die unsere
Universität tragen - in einem Land mit 1 Million Bürgern. Wir
danken den Politikern und der Regierung dafür, daß sie trotz
bedrückender Umstände die Universität ausbauen, daß sie uns
schlimme Kürzungen ersparen und überall da helfen, wo sie
können. Diese Dankbarkeit gilt auch allen Mitgliedern der
Vereinigung der Freunde der Universität, unseren Stiftern,
den Wirtschaftsunternehmen, die mit uns neue Formen der Zusammenarbeit
 suchen - so daß bereits Studenten während ihrer
Ausbildung Zugang zur Praxis finden; und er gilt nicht Zzuletzt
 allen Mitgliedern unserer Universität, welche über Jahre
 trotz aller Engpässe Bedeutendes geleistet haben, wie denjenigen,
 welche uns im letzten Jahr für immer verließen.

Bitte, gedenken Sie mit mir der ehemaligen Angehörigen unserer
 Universität und ihrer Familien. Es war ein Jahr des
Schmerzhaften, oft tragischen Abschiednehmens:
            
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