Full text : 13.1986 (0013)

über die nationalen Gegensätze hinweg waren zum Teil unter
schmerzlichen Bedingungen - Besatzung und Gefangenschaft -
erlebt worden. Diese Kräfte gaben schon bald nach dem Krieg
Franzosen und Deutschen den Mut, Mißtrauen abzuschütteln,
sich zu verständigen und erste Schritte auf eine Europäische
Einigung hin zu wagen. Meine lieben Freunde, die Bindungen
heute zwischen den Nationen sind nicht allein das Ergebnis
feierlicher Erklärungen von Politikern, sondern primär die
Frucht geduldiger, manchmal schwieriger Lernprozesse der Menschen.
 Die Deutsch-Französische Begegnung wird sich auf sympathische
 Freundschaftsgesten allein beschränken können. Kritische
 Partnerschaft ist von Nöten; gefährliche und unsere
£freundschaftlichen Beziehungen gefährdende Ressentiments müssen
 jedoch vermieden werden.

Eine enge Zusammenarbeit mit unseren französischen Freunden
kann nicht gelingen ohne präzise Kenntnis der beiderseitigen
Sprachen und Kulturen, der gesellschaftlichen Realitäten und
Arbeitsmethoden, der gemeinsamen Aufgaben und Probleme, die
uns in wachsender gegenseitiger Abhängigkeit miteinander verbinden.
 Bei Sprachkursen beginnt das Verstehen, meine Freunde,
 Rene Laserre, Direktor des neuen Pariser Zentrums für
Deutschlandforschung, hat das Paradox der Deutsch-französischen
 Beziehungen auf die Formel gebracht: "Der Austausch der
Ideen hält mit dem Austausch der Waren nicht Schritt." Sie,
die Jungen, sind hier an der Grenze mit aufgerufen, mitzuhelfen,
 diesen Austausch und letztlich das gebündelte Potential
gemeinsamer Kreativitäten zu verbessern! Ich denke jetzt an
Raymond Aron, der kürzlich verstarb. Schon frühzeitig war er
Pionier in der kritischen Verschmelzung französischen und
deutschen Denkens. Dabei legte er besonderes Gewicht auf das
Erlernen der Sprache. Er sagte: "Ich hatte immer das Gefühl,
daß die Fähigkeit, frei in zwei verschiedenen Sprachen zu
sprechen, zu denken, mir eine Art Freiheit mir selbst gegenüber
 gab, die durch kein anderes Mittel zu erreichen ist."

Ich kann Ihnen allen versichern, daß die Vereinigung der
Freunde dieser Universität all diese Aktivitäten bewußt,
aber auch materiell begleitet und unterstützt. Dieser kontinuierliche
 finanzielle Beistand ist nicht selbstverständlich,
er entspricht der Fähigkeit, über das Tagesgeschäft, den
Branchenbezug hinaus zu denken und die Langfristbedeutung einer
 leistungsfähigen saarländischen Universität für uns alle,
ad. h. vor allem auch für die einzelne Person und den einzelnen
 Betrieb, zu erkennen und danach zu handeln. Sehen Sie bitte
 diese Universität auch als Initiator gegen den Rückstand
dieses Landes aufgrund seiner peripheren bundesdeutschen geographischen
 Lage an.

In der Gemeinsamkeit - ich hoffe, künftig auch sagen zu können:
 in einer saarländischen Solidarität - liegt unsere Stärke.
 Bemühen wir uns, ähnlich den Praktiken in den USA, den
Kreis der Freunde durch ehemalige Studenten und Absolventen
zu erweitern. Der erste Schritt ist zusammen mit dem Univer-Sitätspräsidenten
 gestartet. Ich rufe Sie alle im Herzen unserer
 Alma mater auf, das Gefühl zu verstärken, daß diese
            
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