Sie anstreben, als Partner bei der Bewältigung anstehender
Zukunftsaufgaben herangezogen zu werden. Zunächst aber haben
Sie sich dazu noch eine Menge Wissen anzueignen und zu verarbeiten.
Durch bittere Erfahrungen dieses Jahres wissen wir erneut,
daß Risiken total zu beherrschen, Verantwortung für die Zukunft
bedeutet. Kurzfristig 1äßt sich ein jegliches Risiko
nun einmal nicht vermeiden.
Sie, meine jungen Freunde, erheben mit natürlichem Recht Anspruch
auf Selbstverwirklichung. Er ist durch Ihren hohen
Ausbildungsstand an dieser Universität mit legitimiert - er
ist getragen von einem zum Glück sich immer mehr ausbreitenden,
sichtbar erfrischenden Optimismus, der uns allen gut
tut. Vergessen Sie in der vor Ihnen liegenden Lebensphase
nie: Er, d. h. Ihr Optimismus, schafft innovatives Klima, in
welchem Lösungen für anstehende, zuvor nicht bestimmbare Unwägbarkeiten
gefunden werden können. Haben Sie Vertrauen zu
sich selbst - lassen Sie sich durch andere nicht irre machen!
Warum sage ich das alles als Bürger dieses Landes, als ein
Mann, der vielen Problemen und Widrigkeiten im Laufe seines
Lebens zu begegnen hatte - in einem Jahrhundert, das in zwei
Weltkriegen ein teufliches Ausmaß der Zerstörung menschlicher
Werte und Verbindungen erlebt hat.
Bitte lassen Sie sich nicht von Ihrem selbst gestellten Ziel
abbringen - Sie sollen sich an Ihrer, an dieser VUniversität
genauso wohlfühlen, wie viele Generationen es vor Ihnen auch
getan haben. Versuchen Sie, an der Universität Ihren "geistigen
Horizont" - lassen Sie es mich so formulieren - zu erweitern,
lassen Sie sich dabei nicht von Informationstechnologie
mit ihrer oft so schillernden Computerlogik "vergewaltigen".
Pflegen Sie Ihren gesunden Menschenverstand mit seinen
vielfachen pragmatischen Möglichkeiten. Dies gilt vor allem
für Ihren eigenen politischen Entscheidungsfreiraum. Bemühen
Sie sich, Freunde fürs Leben zu finden. In der Jugend
gefundene und geformte Freundschaften bilden einen im Werte
kaum ausdrückbaren, oft einen strapazierfähigen Lebenswert,
zu dem man jeden nur beglückwünschen kann. Wir Alten haben es
oft aenug erfahren.
Bitte, meine lieben jungen Freunde, Sie werden es später an
sich selbst erfahren, es ist nicht das Fachwissen allein, das
den Meister kürt. Nein - in den unablässigen Lehr- und Lernperioden
unseres Lebens, in denen jeder von jedem lernen
kann, liegt das Rüstzeug: für einen erfolgreichen Lebensweg,
in einem umfassenden, d. h. nicht nur in einem begrenzten
fachlich speziellen, Wissen. Es muß weiter aespannt sein.
Es ist ja nicht uncharakteristisch für die tiefgreifenden
geistigen Veränderungen unserer Zeit, daß der Mensch wesentliche
Erkenntnisse der Naturwissenschaften heute nicht mehr
Ohne weiteres in seiner von ihm selbst kritisch überprüfbaren
Ansammlung von Wissen und Weltsicht integrieren und kritisch
nachvollziehen kann.