|, Dorf-S tadt-Migration
"Landflucht" oder "Verslumung" der Großstädte sind als zwei
Seiten der gleichen Münze ein wichtiges Problem der modernen
Entwicklungsländer. Um es genauer zu verstehen, muß man abklären,
wie die aus der Stadt stammenden "Innovationsimpulse" in
das Dorf eindringen, und auf welchen Wegen sie dort zu Verhaltensmodellen
werden. Deren Effekte können entweder darin bestehen,
dörfliche Lebensweisen zu beeinflussen, oder darin,
Dorfbewohner zum Übersiedeln in die Stadt zu veranlassen. Beides
sind gleichermaßen gewichtige - und oft miteinander verknüpfte
- Auswirkungen. Das Problem wurde in je einem Dorf in Thailand,
Kenia und Ägypten untersucht. Methodisch interessant an diesen
Studien ist, daß die Forscher jeweilen ein Jahr in dem ausgewähl
ten Dorf lebten und so nicht allein durch Befragungen, sondern
auch durch tägliche Beobachtungen, eingebettet in eine intime
Kenntnis des Dorfes, ihre Daten sammeln konnten.
Projektleiter: Prof. Dr. E. Boesch
Verantwortliche Mitarbeiter: Für Ägypten, Dipl.-Psych. H. Gall;
für Kenia, Dr. A. Goldschmidt;
für Thailand, Dr. Phornchai Sriovrapbh-Kathleen
Sripraphai, M.A.
2. Zukunftsvorstellungen in einem thailändischen Dorf
Die Entscheidung eines Dorfbewohners, in die Stadt überzusiedeln,
setzte voraus, daß er zwei alternative Zukünfte hypothetisch gegeneinander
abwog: die eine im (bekannten) Dorf und die andere ir
der (weniger bekannten) Stadt. Es wurde somit im "Migrationsprojekt"
deutlich, daß Menschen ihr Handeln oft nicht aufgrund aktueller
Gegebenheiten allein, sondern gleichzeitig unter Einbezug
von Zukunftsvorstellungen ausrichten. Solche Vorstellungen
können rational-sachlichen Extrapolationen entsprechen, oft aber
sind sie auch geprägt durch Wünsche oder Ängste, die eng mit der