Wir möchten Ihnen gern beim Einleben helfen und haben dazu besondere Einrichtungen
in der Universität geschaffen. Aber ich bitte Sie auch, auf
mich zuzukommen und zu sagen, in welcher Weise wir Ihnen noch behilflich
sein können. Vielleicht sollten wir es nicht an erster Stelle mit psychologisch-psychiatrischen
Beratungen versuchen, sondern neben Fäten wie heute
abend mit gemeinsamen Tätigkeiten, wobei ich etwa an den Hochschulsport
oder an unsere Theatergruppe THUNIS denke, welche augenblicklich
wieder belebt werden soll. Kurzum, das gemeinsame Spiel soll neben den
gemeinsamen geistigen Interessen zusammenführen, lockere und auch dauernafte
Verbindungen ermöglichen.
Nicht alles kann ich hier ausführen, was ich Ihnen zurufen möchte, aber
wir werden hoffentlich einige Jahre Zeit haben, um über vieles mehr zu
sprechen.
So will ich vorläufig mit einer Erinnerung enden:
In unserer augenblicklichen politisch-historischen Situation mit tiefverhangenen
Horizonten, mit Verhängnissen, welche von vielen Seiten drohen,
will ich Ihnen vergegenwärtigen, was einer meiner Vorgänger im Amt, Professor
Angelloz, Franzose, Rilkeforscher und späterer Ehrensenator in seiner
denkwürdigen Rede 1950 dieser Universität auf den Weg gegeben hat. Er
sagte:
"Es ist nicht Sitte, daß man einen Eid leistet; in einem Zeitalter aber,
in welchem man allzu gerne von Einsatz spricht, werden Sie mir wohl erlauben,
daß ich mich verpflichte, mich für dieses Werk, für diese Arbeit
ohne Rast und ohne Ruhe einzusetzen, in der tiefen Überzeugung, daß das
Rektorat der Universität des Saarlandes mehr als eine Ehre darstellt; es
ist im schönen Sinne des französischen Wortes "charge" eine Würde und
ain Bürde, es ist ein Auftrag. Dagegen aber möchte ich Sie darauf aufmerksam
machen, daß ich Sie durch meine Verpflichtung auch verpflichte.
Sie sind alle freie Menschen, die berufen sind, in dem Reich der freien
Forschung zu leben und zu arbeiten, und Sie binden sich freiwillig. ...
Allein wenn unter Ihnen einige die Männer eines einzigen Staates bleiben
wollen ... den Zauberkreis ihrer kleinen Heimat nicht verlassen können,
um in den Kreis des europäischen Vaterlandes zu treten, so ist meines
Zrachtens nicht ihr Platz unter uns hier. Obgleich wir seit ungefähr
zweitausend Jahren in dem Bereich einer Religion leben, die nur ökume-