Full text : 10.1982/83 (0010)

sehr geehrte Damen und Herren!

Damit komme ich auf die Begrüßung zurück und bitte nach diesem relativ
langen Vorspann, es mit der Bekundung .meiner Freude bewenden lassen zu
dürfen, wieviele geladene Gäste, Vertreter des diplomatischen Corps,
unseres Parlaments, der hohen Landesverwaltung und unserer Bundeswehr zu
uns gekommen sind. Nicht zu vergessen die Rektoren und Vertreter benachbarter
 und befreundeter Hochschulen von diesseits und jenseits einer
Grenze, die Herren Dekane, Alt-Rektoren und viele Kollegen unserer Universität.


Und wenn ich Sie auch zuletzt begrüße, Kommilitonen, so gilt mein Wort
doch zuerst Ihnen! Und zwar besonders denjenigen unter Ihnen, die als
Senioren oder Junioren erstmals in unsere Universität eintreten. Dank
des Engagements von Herrn Vizepräsident Professor Domes ist ja das Seniorenstudium
 an unserer Universität begrüßt und ergriffen worden, und
ich kann mir vorstellen, daß die Senioren ihr Studium unbefangener, mit
größerer Freude und Begeisterung aufnehmen werden als manche Junioren,
welche mit gewisser Distanz - man ersieht es aus der Besetzung des Raumes
 - und vielleicht mit gewisser Beklommenheit ihre Vorlesungen annehnen.


Wenn ich die Erinnerung wachrufe, dann versetze ich mich zurück, wie ich
als Erstsemester anfangs der fünfziger Jahre dem Rektor und Physiker Walther
 Gerlach in München gegenüber saß, befremdet, wie jeder einzelne von
uns aufgerufen und als akademischer Bürger aufgenommen wurde mit einem
großen knochigen Händedruck. Professor Gerlach unterwies uns streng in
der erforderlichen Sachlichkeit der Wissenschaft im Sinne von Max Weber
und der großen deutschen Universitätstradition. Er warnte uns besonders
vor sogenannten "Grenzüberschreitungen" und meinte damit die methodologischen
 Grenzen für jede Wissenschaft, das ständige Fragen, welche Aussagen
welche Ergebnisse jeweils anhand bestimmter Untersuchungsmethoden ermittelt
wurden. Und ich lernte inzwischen in der Medizin, der wissenschaftlichen
Medizin, daß nur Befunde, die ohne Angst und Wunschdenken erhoben werden,
die Voraussetzung für ein sachgerechtes Handeln und Behandeln liefern
können. Daher die alte Regel unter Ärzten, weder sich selbst noch Angehörige

zu behandeln.
            
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