Full text : 9.1981/82 (0009)

grundlage die jeweiligen politischen Handlungen erfolgen, und sich auf
Dauer daran orientieren. Tagespolitik ohne Zukunftsperspektive, Politiker.
die ihr Handeln nicht am Gesamtwohl ausrichten, sondern nur ihren Listenplatz

 für die nächste Wahl im Auge behalten, sind nicht in der Lage, auf

die Zukunftsangst nicht nur junger Menschen sinnvolle Antworten zu geben.

Universitas ist dem Ganzen verpflichtet, auch in der Zukunft. Durch Wissen:
schaft und Technik sind wir auch zum Erfinder unserer eigenen Zukunft geworden.
 Das bedeutet, daß die Wissenschaft bei der überlebensplanung der
Menschheit eine entscheidende Rolle übernehnen muß. "Aufgabe der

Wissenschaft, der Universitäten, kann dabei nicht", wie es Peter Menke-Glückert
 kürzlich hier in Saarbrücken ausführte, "das immer neue Produzieren
 von Horror- und Gruselszenarien sein, sondern muß das Aufzeigen

konkreter, ich betone: konkreter Wege aus der Gefahr werden."

Wenn Voltaire vom Fortschritt der Menschheit sprach, meinte er nicht die

Vermehrung äußerer Zivilisationsgüter, sondern die "Veredelung der Sitten"

d.h. civitas et mores. Gegenbegriffe zum Fortschritt waren nicht Dürftigkeit

 an technischen Mitteln und Möglichkeiten, sondern Barbarei, Unbildung.

Roheit. Erst das 19. Jahrhundert hat civilitas und Geistesbildung entkoppelt.

 Es ist also nicht Wissenschaft, es ist nicht Technik, sondern es ist

die Nicht-Moral, die Nicht-Solidarität, das Vergessen der Wurzeln der Aufklärung

 und damit der ständigen eigenverantworteten Befreiung des Menschen

aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, wenn internationale Solidarität für

Respektieren und Garantie der Menschenwürde und der Umweltqualität für

jeden Erdenbürger in der Praxis so schwer fallen.

Unsere Kinder haben begriffen, daß Glück und Reichtum nicht dasselbe sind.

Wir sollten aber alle begreifen, daß Wissenschaft und Technik zu diesem

Begreifen untrennbar gehören.
            
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