dann auch freuen würden.
Mancher wird dennoch den Geist der Tradition beschwören, wenn ihm diese als
Argumentationshilfe gerade wichtig erscheint. Die Tradition der Universitäten
ist jedoch nicht ihre Geschichte. Für einen Kommunisten dürfte es
schwierig sein, zu erklären, wie trotz jeweils anders herrschender Gesellschaftsverhältnisse
Copernicus oder Papst Paul gleichermaßen erfolgreiche
Studiosi der Universität von Krakau sein konnten. Universitäre Tradition,
meine Damen und Herren, ist keine Funktion des Alters, sondern der Geisteshaltung.
Wir sind der Suche nach Erkenntnis verpflichtet - ob die Ergebnisse
dieses Suchens dem jeweiligen politischen System passen oder nicht.
Auch deshalb arbeiten wir mit Universitäten des Ostens ebenso zusammen wie
mit jenen des Westens.
Wer so denkt, wird das Ziel oder den Sinn seines Studiums selbst bestimmen
müssen. Stützte man sich bei dieser Suche auf gesetzliche Vorgaben - das
wäre leicht: zum Beispiel das Hochschulrahmengesetz -, so wird man nachlesen
können, daß Lehre und Studium so zu organisieren sind, daß der Student
auch "zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen
und sozialen Rechtsstaat befähigt wird". Die Fachwissenschaften können
das für sich in Anspruch nehmen, natürlich; hierauf beruft sich aber
auch, wer der Universität eine gesellschaftliche Tugendilehre zur Aufgabe
machen will. Wie soll man ein solches Studienziel erreichen ohne wissenschaftlich
drapierte Indoktrination? Ich glaube nicht, daß das möglich
ist, weshalb ich auch nicht den Kompromissen der sogenannten großen: Studienreform
zustimmen kann. Der Preis der Ehrlichkeit ist für einen Universitarier
einfach zu hoch. - Kehren wir also zu einer Krakauer "Tradition"
zurück. Weltberühmte Absolventen dieser Universität fühlten sich
der rationalen Argumentation verpflichtet, und wir sollten dorthin zurückkehren
in einer Zeit, in der Irrationalismus auch in unserem Land neue