nung, besonders bei meinen Freunden von der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft und bei den Lehrerverbänden. Aber selbstverständlich überprüft
jeder Betrieb seine Lehrlinge, bevor er sie einstellt. Warum sollte
die Universität dieses Recht eigentlich nicht haben? Was bei unseren
Partneruniversitäten Yokohama und Sofia, in Moskau und in Cambridge reibungslos
funktioniert, das kann ja kein hirnverbrannter Unsinn sein. Ich
glaube, daß wir uns in den kommenden Jahren mit solchen Vorstellungen auseinandersetzen,
sie realisieren müssen. Auch und gerade im Interesse unserer
Studenten. Dies nenne ich die zweite Revision.
Dabei stütze ich mich auf vier Prämissen.
Prämisse 1: Die mangelnde Studierfähigkeit ist meiner Ansicht nach nicht
nur das Ergebnis der reformierten Oberstufe, sondern das Spiegelbild
eines reduzierten Leistungswillens in der Gesellschaft, gesunkener Anforderungen
und einer verstärkten Berücksichtigung auch der Schwachen und der
Benachteiligten. In den Vereinigten Staaten und in Österreich zeigen sich
die gleichen Symptome, obwohl man dort keine Oberstufe reformiert hat.
Aus den Abiturienten kommen natürlich wie vor sechzig Jahren hervorragende
Studenten. Nur ihre Zahl hat sich nicht wesentlich verändert. Dafür hat
sich die Zahl der Abiturienten insgesamt und damit auch der mittelmäßigen
und der schlechten vergrößert.
Prämisse 2: Selbst regulierbare sinkende Anforderungen unter dem Stichwort
der Abwahl ungeliebter Fächer - oder der Fächer ungeliebter Lehrer
- müssen zwangsläufig zu einer Fehleinschätzung der Abiturienten in bezug
auf das gewählte Studienfach an der Universität führen. Hier hilft
leider auch keine noch so gute Studienberatung. Hitpass hat erst kürzlich
in einer Veröffentlichung mit dem Titel "Deutschlands Bildungswesen
- Die Folgen der Reform" aufgezeigt, daß gerade die fast unbeschränkte
Wahlmöglichkeit und Abwahlmöglichkeit von Fächern die Studierfähigkeit
eher einschränkt als steigert. Bei der Analyse von 450 Reifezeugnissen
zeigte es sich, daß beispielsweise unter den Studenten der Ingenieurwissenschaften
rund ein Drittel weder Mathematik noch Physik noch
Chemie als Abiturfächer hatte. Ich selbst weiß sehr genau, was es bedeutet,
in einem Fach, das einem nicht liegt, das man nicht liebt, noch
kurz vor der Versetzung wenigstens ein "ausreichend" zu erreichen. Man
muß dann zu sich konsequent besonders hart sein. Aber gerade diese Härte