Wir haben die Immatrikulationsgebühren, wie sie in den europäischen
Nachbarstaaten - besonders in Großbritannien -von Jahr zu Jahr weiter
ausgebaut werden, aus verständlichen sozialen Gründen abgeschafft. Ich
verhehle nicht, daß ich das für einen grundlegenden Fehler gehalten habe
und auch heute noch halte. Wer auf Grund seiner Ausbildung an einer Hochschule
nach wie vor eine wesentlich höhere Einkommenserwartung hat, der
soll auch etwas dafür aufwenden. Die Kosten für ein Studium sollten natürlich
nicht den belasten, der aus sozialen Gründen nicht in der Lage
ist, diese zu tragen. Aber die generelle Abschaffung der Studiengebühren
ist nur ein Privileg für den, der es sich sowieso leisten kann. Ich
meine, daß unser Staat in den kommenden Jahren hier eine Revision vornehmen
muß, weil er nicht mehr bezahlen kann, was er einer ganzen Generation
versprach. Diese Revision wird kommen, ob sie uns paßt oder nicht.
Dazu gehören auch die Fragen der Finanzierung und der Studiengebühren. Ich
nenne dies die erste Revision.
Ähnliches gilt aber auch für die Zugangsberechtigung zur Universität.
JInsere Erstsemester gehören zu einer Schülergeneration, der man in letzter
Zeit mehr und mehr pauschal mangelnde Fähigkeit zum Studium nachgesagt
hat. Wir sollten jedoch einen Augenblick versuchen, dieses Pauschal
arteil zu analysieren. Mein Freund Theodor Berchem hat am 2. Oktober in
der ZEIT ausführlich über dieses Problem geschrieben. Für ihn gibt es
viele Ursachen des Nachlassens der "Studierfähigkeit", der Oberstufenreform
aber hat er eine besondere Rolle zugewiesen. Diese Reform der
Oberstufe wurde - und das sollten sich diejenigen, die daran beteiligt
waren, nachdrücklich in Erinnerung rufen - 1969 gerade von den Universitäten
gefordert. Heute glauben viele, daß man sich damals auf einen
Holzweg begeben hat und eine Umkehr angezeigt ist. Welcher neue Weg
aber eingeschlagen werden soll, darüber ist man sich auch in der Westdeutschen
Rektorenkonferenz nicht einig. Eine Gruppe fordert eine Reform
der reformierten Oberstufe etwa in der Art, wie sie Hanna Renate Laurier
vorgeschlagen hat. Danach soll das Bewertungsverhältnis von Leistungskursen
zu Grundkursen von bisher 3 : 1 in das Verhältnis 2 : 1 umgeändert
werden. Ich glaube aber, daß man damit die Fehler der Vergangenheit
nicht beseitigt, sondern fortschreibt. Eine andere Gruppe, zu der
auch ich gehöre, fordert seit Jahren die Einführung fachspezifischer
Universitätsprüfungen und stößt damit natürlich auf bundesweite Ableh-