Full text : 8.1980/81 (0008)

heute mehr denn je auch lebensbejahend in die Zukunft zu blicken und
daran mitzuarbeiten? Kultur schaffen und an der Zukunft arbeiten heißt
auch immer kategorisch sein. Sind wir das aber mit uns selbst tagtäglich:
Ich glaube nicht. Wie wäre es sonst zu verstehen, daß es in anderthalb
Jahrzehnten einer kleinen Zahl vermeintlich Progressiver möglich war,
nit Hilfe irrationaler Zukunftsbilder ein falsches Bewußtsein zu schaffen.
 Dadurch wurdenin vielen Bereichen aus notwendigen Reformen Fehlreformen.
 Vielleicht war es aber auch - wie leider oft in unserer Geschichte
 - nur die Feigheit oder das schlechte Gewissen einer Generation, die
tatenlos in vielen Bereichen dem Entstehen von Unsinn zusah. Dabei müssen
Reformer klarer denken, früher aufstehen, härter und genauer arbeiten als
die Hüter des status quo. Wer dazu nicht bereit oder fähig ist, der jammere
nicht, sondern schere sich - ich sage das mit allem Nachdruck - beizeiten
zum Teufel, statt Böswilligen Wasser auf die Mühle zu leiten und am Ende
Jar die Gutwilligen in die Resignation zu treiben.

Der Beginn eines Studienjahres, meine Damen und Herren, ist auch die Mög-Lichkeit
 und die Verpflichtung, über einige Probleme der Universität zu
sprechen. Ich möchte heute zwei herausgreifen, die meiner Ansicht nach
das Schicksal unserer Universität, ja der deutschen Universitäten, in den
kommenden Jahren entscheidend beeinflussen werden. Es geht dabei nicht
primär um die knapper werdenden Haushaltsmittel, wie mancher, der die
Dauerklagen der Universitäten kennt, jetzt etwas vorschnell glauben
könnte. Es sind auch nicht primär die ausbleibenden Mittel für den Hochschulbau
 und die fehlenden Studentenwohnungen, von denen die Rede sein
wird. Und primär will ich auch nicht über das eingestampfte BAföG oder
die viel strapazierte Bürokratisierung sprechen.

Lassen Sie mich einige Ausführungen machen zur Qualität und zur Zahl
der Studenten auf der einen und zur Qualität der Professoren, der akademischen
 Lehrer und Forscher auf der anderen Seite.
Was die Qualität der Studenten angeht, so klammere ich natürlich die
anwesenden aus. Für sie ist eine wesentliche Frage bereits gelöst, sie
haben einen Studienplatz gefunden und sich eingeschrieben. Aber gerade
die Problematik des Hochschulzugangs bestimmt entscheidend die innere
Einstellung der Universitäten und die Einstellung der Studenten zu den

Universitäten.
            
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