tr. 5
Südwestdeutsche Heimatblätter.
6. In der Ansetzung und Entrichtung des Grundbirn—
ehnten sollen die Ottweiler mit den übrigen Untertanen
gleichgesetzt werden.
7. Wegen des Schweinedechtums (Abgabe für die
S„chmalzweide in den herrschaftlichen Waldungen) ver—
iügte der Fürst: Da die Supplikanten den Schweine—
»echtum ferner nicht mehr entrichten wollen, so kann
hrem Gesuch um freien Genuß der Schmalzweide in dem
Ztennweiler-, Reihers- und übrigen herrschaftlichen Wald
bensowenig stattgegeben werden als dem Bitten um
ẽrlaß des Zehnten Pfennigs, wann ein Ottweiler Ein—
wer in die Städte Saarbrückhen und St Johann
ziehet.
In der Herrschaft Blieskastel herrschten zu eben dieser
zeit größere Unruhen.ss) Die Einwohner von St. Ing—
fert waren erbost und verbittert durch einen jahrelang
chon währenden, sehr kostspieligen Prozeß, den sie mit
hrex Regierung vor dem Reichskammergericht führten
z8 handelt sich darin um ein Waldrecht auf dem St
ingberter Banne. Angehaucht von den revolutionären
zdeen von Westen, forderten fie in ihren Eingaben nicht
iur die allgemein geäußerten Erleichterungen, sondern
iuch das Besitzrecht an ihrem Bannwald und an den
ruf ihrem Banne gelegenen Kohlengruben. Ein am 26
zeptember erlassenes kaiserliches Mandat hatte keine
Virkung, Eigenmächtig besetzten die Untertanen die
trittigen Kohlengruben und weigerten sich, davon ab—
ulassen. Auf die Bitte der Reichsgräfin Marianne v
». Leyen rückten kurpfälzische Exekutionstruppen in
z5t. Ingbert ein. Einer der Haupträdelsführer war ein
sewiffer Hans Peter Hellenthal, der bei dieser Gelegenheit
surch Flucht ins benachbarte Nassanische seinen Häschern
entging. Nach einem Schreiben der Behörde inBlieskastel
var er am 6. Dezember entwichen und man
sjegte die Meinung, daß er zu seinem Bruder nach Uchtel—
angen geflohen sei. Das Oberamt Blieskastel ersuchte
im Nachforschungen nach dem Aufrührer. Derselbe wurde
edoch nicht gefunden. trotzdem man die ganze Meierei
ibsuchte. Außerdem wurde um Untersuchung wegen eines
Berüchtes gebeten, welches aussagte, daß die Untertanen
»er Ottweller Herrschaft den St. Ingbertern zu Hilfe
zommen wollten. Auch diese Untersuchung verlief er—
ebnislos.
35
sie sich wegen der Jagdfronden und meinten, daß sie sich
nicht schuldig fühlfen, Fronfahrten mit geschossenem
Wildbret bis Sulzbach zu kun. Werde im Saarbrückischen
eine Jagd abgehalten, so hätten die Saarbrücker das zu
un Bei Zeugjagden im Saarbrückischen könnten die
Zaarbrücker das Zeug in Neunkirchen abholen, sie
vollten es hernach schon in Neunkirchen aufhängen und
rocknen.
Für den Augenblick hatte der Fürst gesiegt, aber die
Anruhen haben sicherlich damit noch nicht ihr Ende ge—
unden. Es liegen uns zwar nur Andeutungen vor, ader
diese genügen, um zwischen den Zeilen zu lesen.
Ruppersberg berichtet von der Brandstiftung an einem
jerrschaftlichen Hause in Neunkirchen durch aufrührische
Hemeindsleute. Die Wilddieberei nimmt zu. Ein
Schreiben des Oberjägermeisters v. Fürstenrecht lein
zaronisierter Schadt, der nicht einmal seinen Namen, ge—
chweige ein ordentliches. lesbares Schriftstück verfassen
zhnnte, wie aus dem uns vorliegenden Briefe vom 20.
Jänner hervorgeht, dessen Durchbuchstabierung wir dem
veser gerne ersparen) spricht von Beftraften aus Neun—
zirchen und einer baldigen Vernehmung von Angeklagten.
Im übrigen ist es, da weitere Unterlagen fehlen, nicht
derständlich
Im Mai wurde auf versteckte Gewehre gefahndet. „In
dem Ottweilexrischen“, so schreibt der Rat Eichberg am
24. Mai 1790, „sollen noch viele verborgene Gewehre sich
hefinden. Vermög gnädigsten Befehl sollen Ew. Wohl—
geb. eine abermalige Visstation desfalls vornehmen um
zieser Gewehr habhaft zu werden und die Unterthanen
ür dem bey Gebrauch auf Wildbret für sie entstehenden
Unglück zu warnen. Schüsse sollen zum öftermalen schon
aächtlicherweile gehöret werden seyn.“ Am 27. ersucht
das Oberamt die Meier um genaue Visitationen
Doch verweilen wir noch bei den Ereignissen im De⸗
zember. Auf eine erneute Vorstellung der Ottweiler
vegen verschiedener Beschwerden (das Antwortdekret
hrt auch einen Punkt 17 auf) verfügte Ludwig am 22
dezember:
Jsollen in Ansehung, des freien Handels mit Tabak
und Brauntwein die Bürger von Ottweiler die gleiche
Bergünstigung haben wie die Städte St. Johann und
Saatbrüchen. Auf eine demnächst erscheinende neue
Accisverordnung wird hingewiesen.
IwWas die Verfafsung des Stadtgerichts angeht, so
sollen die beiden Gerichtsverwandten Pfordt und Phi—
lippi wieder in ihr Amt eingesetzt werden, aus dem sie
vährend der Unruhen verdrängt worden waren (1) Eine
veitere Refolution wurde in Aussicht gestellt und kam
m Generaldekret
8) Alles Nähere darüber findet der Leser in Wolfgang
Krämer,. St. Ingbert und seine Vergangenheit. St. Ingbert
925. Seite 174 ff „Der Waldprozeß 17541791“, wo auch die
solle Hellenthals genauer aufgezeichnet ist.
ESchluß folgt.)
AI
in ihrer siedlungsgeographischen Auswirkung.
115.218. Jahrhundert.)
Zu Anfang des 15. und 16. Jahrhunderts traten im
Saargebiet zum ersten Male jene Industriekräfte stärker
n Exrscheinung, die in der Folgegeit die Weiterbildungs
pongesse der saarländischen —V00
destimmten: die Glasfabrikation, die Eisen—
berhüttung und die Kohlengewinnung.
Am die Wirkungen dieser drei Industriezweige auf die
saarländische Landschaft aus der Eigenart der heimat—
ichen Verhältnisse heraus erkennen zu können soll zu⸗
nächst versucht werden, die neuen Kulturkräfte in ihren
Beziehungen zum Boden und den Großgrundbesitzern,
den Lanodesherrn, aufzudecken und darzulegen.
Die Wirkungsbereische der damaligen saarlän—
dischen Kohlengewinnung, der Eisen- und Glas—
sabrikation, waren nicht die Gebiete der mittelalterlichen
Zulturlandschaft. sondern die sie DJlLungsfeind—
hichen Räume, die großen Waldareale diesseits und
enfeits der mittleren Saar. Dort zog zu Anfang des
16. Jahrhunderts in das geschlossene Waldland des
Warndt die Glasindustrie ein. Die Bedingungen
hres Aufkommens und ihrer Weiterentwicklungen
varen hier durchaus günstig Die ausgedehnten Holz—
»eftände des auf Buntsandstein!) stockenden Waldes
joten gerade der Glasindustrie eine natür liche Grund—
sage, indem das Holz zur Heizung der Oefen Verwendung
and, und die Farnkräuter zur Herstellung der Pottasche
Renten. Die Buntsandsteinschichten lieferten zugleich
d»en gelben Sand und die nötigen Quarzsande zum
Zchmelzen der Glasmasse. Die Glasindustrie trug so auf
1) Vergl. Geologische Spezialkarte 1: 25 000, Blatt Saar—
brücken.