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Südwestdeutsche Heimatblätter.
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Die Kristallindustrie produzierte in den Jahren
1902 bis 1909 durchschnittlich 750 000 Kilogramm Kristall⸗
Ilas; ihre Produktion fiel bis 19183 auf 450000 Kilo—
zramm, also um rund 40 Prozent.
Die Gründefür den Rückgang der Glasindustrie
ind mannigfacher Art. Die wichtigsten mögen hier kurz
kizziert werden.
1. Mitte des 19. Jahrhundertsbegann sich
aufden BraunkohlenlagerndesRhein—
glasindustrie auf 7,4 Prozent im Durchschnitt der
Jahre 1900 bis 1912 und betrug bei der Flaschen⸗
Jlasindustrie im Durchschnitt der gleichen Jahre 21,1
Pprozent des Gesamtabsatzes. Hier trat das Ausland
in größerem Maß als Abnehmer auf und zwar in
der Hauptsache der ausländische Bier- und Wein—
sandel. Die durch billigere Kohlen, niedrigere Ar—
eitslöhne günstiger gestellte belgische Industrie, die
zudem keine soziale Lasten zu tragen hatte, durch
welche die deutsche In—
dustrie sehr belastet
vurde. konnte in das
durch Schutzzölle nur
venig geschützte Deutsch—
land eindringen und dem
Absatz der Saarindustrie
tarken Abbruch tun.
Auch die schwächer
gewordene Bau—
kätigkeit beeinträch—
tigte die Entfaltung der
Glasindustrie.
Die technischen Pro—
duktionsbeding—
ungen waren in
anderen GlLas—
industriebezirken
günstiger als im
Saargebiet. Robert
Broßmann erwähnt in
seinem Buche: „Die tech—
nische Entwicklung der
Blasindustrie in ihrer
wirtschaftlichen Bedeu⸗
tung“ (Leipzig 1908), daß
beispielsweise die Ver—
wendung alkali—-silikat—
haltiger Gesteine den
Produktionsprozeß be⸗
schleunigte und daß z. B.
in Sachsen, wo viel Gra—
nit zur Verfügung stand.
ein Glasmaler ohne
Motzer (d. i. der Gehilfe
des Glasmachers) in der
Schicht 280 bis 300, mit
Motzer bis 600 Flaschen
oerfertigte, während er im Saargebiet nur 200
bzw. 380 bis 400 Stück im gleichen Zeitraum
herstellen konnte (GSeite 35).
Die ungünstige Entwicklung der Glas—
ndustrie löste gewisse Gegenwirkungen
nus, die ihrem Rückgangsteuern sollten. Die
ßründung von Preis- und Absatzkartellen
nit mehr oder weniger weit einschneidenden. die Selb—
tändigkeit der Unternehmungen beengenden Bestim—
nungen, die bereits in den 30er Jahren des 19. Jahr—
punderts einsetzte, kann als Gegengewicht gegen den die
kristenz der einzelnen Firmen bedrohenden scharfen Kon—
zürrenzkampf aufgefaßt werden.
Die Kartelle blieben jedoch nicht die letzte und höchste
Form der Unternehmerverbände in der Glasindustrie des
Saargebiets. Es kam auch zu recht bedeutsamen
Fdussonen und Verschmelzungen.
Absatz der Flaschenglasindustrie des Saargebietes in 1000 Tonnen:
ins Inland
ins Ausland
q900 1001 1902 1903 1904 1905 1806 107 1908 1099 soio 1911 1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918 1919 1920
sandes eine eigene Glasindustrie zu
entfalten. Sie beschäftigte 1882 in vier Be—
trieben 298 Personen, 1906 hingegen in 20 Betrieben
10834 Personen. Hinter diesem schnellen Aufschwung
olieb die Glasindustrie des Saargebiets weit zurück.
Ihre Arbeiterzahl stieg von 772 im Jahre 1882 auf
3895 im Jahre 1914. Die der Saarindustvie vorge—
agerte, verkehrswirtschaftlich begünstigte rheinische
ßlasindustrie vertrieb die Saarindustrie zum Teil
ihren bisherigen Absatzmärkten in Westdeutsch-—
and.
Das Fehlen einer geeigneten ausge—
dauten Wasserverbindung mit dem
deutschen Kanalsysten und den Meeres—
däfen hemmte ebenfalls die Entwicklung der Tafel—
und der Flaschenglasindustrie des Saargebiets.
In ehemals belieferten auswärtigen
Absatzgebieten hatte sich eine eigene
Blasiöndustrie gebildet, welche nicht
nur im Ausland erfolgreich gegen das
aarländische Erzeugnis auftrat und
dieses zu verdrängen suchte, sondern
wuch auf dem heimischen Markt als
tarke Konkurrenz bemerkbar wurde.
der belgische Wettfbewerb erwies sich als
ehr lästig. Der Absatz ins Ausland konnte vielfach
rur mit erheblichen Verlusten vorgenommen werden.
Nur die im Inland infolge Uebersättigung des deut—
schen Marktes nicht mehr verkaufbare Ware wurde
ins Ausland abgestoßen. In Krisenjahren, in
welchen der deutsche Bedarf besonders gering war
und schnell gedeckt werden konnte, war daher vor
allen Dingen der Anteil des Auslandes am Absatz
oerhältnismäßig groß. Er hielt sich bei der Tafel—
450. Geburtstag Franz von Gitlingens.
Der Historische Verein der Mediomatriker für
zie Westpfalz (Zweibrücken) gedachte in seinem
März-Vortragsabend, den der Vorsitzende, Oberregierungs—
at ör. Pöhlmann, leitete. des 450. Geburtstags des
Vestricher Ritters Franz von Sickingen. Ober—⸗
tudiendirektor Dr. Becker sprach über das Thema
„Mythus und Mystik um Franz von Sickingen“ und
etvachtete die Gestalt des berühmten Landsmannes im
richte der Volkskunde, der Literaturgeschichte und der
Kunst, in deren Umkreis er bis heute fortlebt. ein Beweis
zauernder Volkstümlichkeit.
Der Vortrag galt also nicht dem ritterlichen Helden
und Kriegsmänn. sondern dem geistes- und kultur—
jeschichtlichen Franz von Sickingen. Von der Natur be—⸗