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ker. 4

Sudwestdeutsche Heimatdlätter.

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1840: 415, 1846: 483, 1852: 772 und 1864: 1150 Arbeiter).
Als weiteren wichtigen Grund für die Abschaffung der
hegünftigungskohlen führt Walter Lauer in seinem wert⸗
honen Buche ,Die Glasindustrie im Saargebiet“ (Braun—⸗
schweig 1952), welches jedem Leser, der sich eingehender
nit der hoch interessanten Geschichte der saarländischen
Slasindustrie befassen will, empfohlen werden kann, die
Berhandlung Preußens mit Frankreich über die Herstellung
der Verbindung der Saar mit dem Rhein-Marnekanal an.
Frankreich hatte sich durch Artikel VlI des Staatsvervages
 vom 4. April 1861 eine Meistbegünstigungsklausel
für seinen Kohlenbezug aus den landesherrlichen Gruben
des Saargebiedes zu verschaffen gewußt, d. h., der preu⸗
zische Bergfiskus durfte den französischen Kohlenabneh⸗
nern keinen höheren Preis stellen, als er von seinen
eigenen meistbegünstigten Inlandabnehmern verlangte.“
Lauer: Seite 125) Außerdem lag der Abbau der Privi—
egien auch noch im Inleresse der Staatsfinanzen, hatten
zoch die Kohlenbegünstigungen in den letzten Jahren für
den Staat eine Mindereinnahme von über 60000 Talern
edeutet.
Die Erschließung des Saargebiets durch die Eisenbahnen
orachte zwar einige alte, abgelegene Hütten zum Erliegen
eine Huͤtte zu Luisenthal, die drei Gersweiler und die
eiden noch aus der Fürstenzeit stammenden „alten“
Friedrichsthaler Hütten), war äber im allgemeinen ein
nächtiger Ansporn für die schnelle und großzügige Ent—
jaltuͤng der Saar⸗Glasindustrie. Es entstanden in den
Jahren 1880 1870 nicht weniger als 44neue Hütten.
die teils vollständige NReugründungen, teils
uch nur ein Ersatz sür ältere eingestellte
Hüstten waren. Auch fanden beträchthiche Be—
Friebserweiterungen statt. Wichtig ist vor allen
dingen die Gründung der Sul zbacher Glashütte
— und der Aktien-Glashütte St. Ingbert
—1868).

daß das Wannensystem einen kontinuierlichen Betrieb
arantierte Zerfiel bei den alten Wind- und Preßöfen der
ßroduktionsptozeß in zwei Teile, die Schmelzperiode und
ie Arbeitsmethode, die zusammen 30—32 Stunden (1816
zw. nach Erfindung der Siemensschen Gasösen 22-28
Ztunden dauerten, so spielte bei dem Wannensystem mit
ontinuierlichem Betriebe die Dauer der Schmelzperiode
zeine Rolle mehr, da die Wanne so eingerichtet war, daß
in ihrem hinteren Teile das Gemenge von Zeit zu Zeit
ingeführt wurde und die geschmolzene Glasmasse allmäh⸗
ich in den vorderen Teil der Wanne lief, an dem sich die
trbeitslöcher befanden. Als Beispiel der gesteigerten
eistungsfaͤhigkeit der Oefen weist Max v. Vopelius in
einem Buche: „Die Tafelglasindustrie im Saarthale“
Zalle 1895) nach. daß pro Monat im Jahre 1865/66 in
inem Ofen 7256 qm fabriziert wurden, während bereits
m Jahre 1887/88 auf einen Osen im Monat 16 839 qm
cimen (Seite 24). Die erste 1889 erbaute Tafelglaswanne
eferte bei vier Trommeln pro Monat 74600 qm Tafel⸗
zlas, also bei gleichen Zeiten Mmal soviel als ein Sie—
nensscher Hafenofen im vorangegangenen Jahr.
Des ferneren begünstigten die Fortschritte in der
Arbeitsteilung und das Aufkommen des
baschinenwesens, das sich allerdings in der Haupt—⸗
ache auf die Erfindung des Preßluftgebläses und der nur
angsam vordringenden Owenschen Flaschenblasmaschine
»eschränkte, eine Verminderung der Vroduktionskosten
oro Einheit.
Die Verringerung der Selbstkosten, die
iatürlich nicht nur durch diese technischen Momente, son⸗
dern auch durch eine VBerbilligung derRohstoffe
»erursacht wurde, beweisen folgende Zahlen, die Max
». Vopelius zusammengestellt hal. Nach ihm betrugen in
der Tafelglasindustrie die Selbstkosten trotz steigen der
Löhne per 100 qm im Jahre
1874/75 1878/79 1883 /84 1898 /94
Mark 187,20 133,99 117,50 108,70
Mit diesem besonders im Zeitraum von 1874 bis 1884 sehr
raschen Abfall' ging Hand in Hand eine beträchtliche Zu⸗
rähme der Produktion. Diese betrug in den
zreußischen Hütten des Saargebiets
1876: 7 900 000 qm
1878: 7674 8000
1880: 8950 000,
1882: 10 070 000,
Im Jahre 1882 erreichte die saarländische
Tafelglasindustrie einen Höhepunkt, den
ieniewieder erklimmen sollte. Die Gründe
ür den katastrophalen Rückgang in den
zoer Jahren. der die Produktion auf 2219 800 qIm
Tafelgläs (1890) senkte, werden wir im nächsten Kapitel
rennenlernen

Der Einfluß der technischen auf die wirtschaftliche
Entwicklung der Glasindustrie.
Die Beseitigung der schützenden Privi—
legien stellte die Glasindustrie mitten
hinein ĩin den erbittertsten Konkurrenz—
ampf, war doch die schwere Krise der Ueberproduk—
ion hereingebrochen, die in den 70er Jahren des 19. Jahr⸗
hunderts einen Prüfstein für die ne der
ndustriellen Betriebe bildete. Von rund 50 fen des
Zandelskammerbezirkes Saarbrücken waren 1877 nur 35
ind 1878 gar bloß 29 im Betrieb.
Die Saar-Glasindustrie bestand — wenn
auch mit großen Verlusten — die Feuerprobe. Sie
zlitt allmaͤhlich wieder in das geregelte Fahrwasser lang⸗
Amer Aufwärtsentwicklung über und vermochte sich in
den nächsten Jahren zu erholen
j dank der Schußzollgesetzgebung des Reichs,
velche die ausländische Konkuͤrrenz auf dem heimi⸗
chen Markt lahmlegte,
zduͤrch die Erschließung auswärtiger
Märkte, die erst jetzt infolge des Aufblühens ihrer
Wirtschaft Glaswaren in steigendem Maße benö—
igten.
zuürch Selbsthilfe indem sich z. B. die Tafel⸗
zlasindustrie des Saargebietes im Jahre 1881 zur
Zründung eines Verkaufssyndikates entschloß,
und wohl in der Hauptsache infolge der raschen
Aneignungtechnischer Neuerungen, die
zur ErsparungvonzZeit, Brennstoffund
Arbeitskräfkten führten.
VBon ganz besonderer Bedeutung mußte eine Erspar—
nis von Brennstoffen sein, hatte doch die Belie⸗
ierung mit billigen Kohlen aufgehört. Geradezu umwäl—
zend wirkte auf diesem Gebiete die Einführung der
sogenannten Siemensschen baw. Nehseschen
 „Wannen öfen“, da sie eine Brennstofferspar—
nis von zirka 50 Progent gewährleisteten. Diese beruhte
darauf. daß numehr das Gemenge nicht mehr in den ein—
zelnen Schmelzöfen, sondern in einer einzigen großen
Wanne geschmolzen wurde und bei den Wanneöfen die
Basflamme direkt über das ganze Gemenge hinwegstrich.
während bei den Hafenöfen ein großer Teil der Wärme
oon den Hafenwänden und den leeren Räumen zwischen
den einzelnen Häfen absorbiert wurde. Hinzu trat noch,

Die saarländische Glasindustrie bis zum Ausbruch
des Weltkriegs.

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Die EntwicklungdersaarländischenGlas⸗
ndustrie in den letzten drei bis vier Jahrzehnten
 vor dem Ausbruch des Weltkraüeges
bar im allgemeinen wenig erfreulich. Die
ßroduktion der Tafelglasindüstrie im preußischen
keile des Saargebieis hielt sich im letzten Jahrzehnt des
l9. Jahrhunderts zwischen 2000 900 und 3000 000 ꝗm
ind bewegte sich auch im neuen Jahrhundert nicht über
ziese Grenze. Die Gesamtproduktion allerr saarländischen
Tafelglashuͤtten belief sich 1913 auf etwa 4000 000 qm,
rachdem noch die vorhergegangenen Jahre eine wesent—⸗
ich geringere Ergeugung aufgewiesen hatten. Besonders
lau waren für sie die Jahre 1907 bis 1911.
Einen wenig befriedigenden Verlauf nahm auch die
ẽntwicklung der übrigen Zweige der saarländischen Glas⸗
ndustrie. In der Flaschenherstellung sank die
ßroduktion in den Jahren 1890 bis 1893 von 12700
Lonnen auf 10600 Tonnen. Im neuen Jahrhundert blieb
ie dauernd schwankend und zeigte besonders in den
Jahren 1906 bis 1912 einen außerordentlichen Tiefstand
der Aufstieg im Jahre 1913 auf 16 800 Tonnen muß als
ingewöhnlich bezeichnet werden. Es wäre unvopsichtig,
»on diesem Rekordjahr der deutschen Wirtschaft aus
zchlüsse ziehen zu wollen auf den Stand der saarländi—
chen Glasindustrie und ihre Entwicklungsaussichten vor
em Krieg.
            
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