Südwestdeutsche Heimatblätter.
im Innern stand er im Kampfe mit der Volks—
bertretung. Nach dem wundervollen Bekenntnis zu
Ddeutschland, das die Vertreter des Saarlandes in einem
Nanifest an das französische Volk abgelgt
hatten im Jahre 1865, konnte Bismarck ebensowenig
wie der König von Preußen, der sich im Jahre 1861 schon
dazu verpflichtet hatte, kein Stück saarländischen Bodens
Abzutreten, an eine Freigabe der Saargegend denken.
Woran Bismarck vielleicht einen Augenblick gedacht
haben mag, das war im Falle der allerhöchsten Not, im
Falle, daß ihm das Geld für den Krieg gegen Oesterreich
fehlte, eine vorübergehende Veräußerung der Saargruben
an eine internationale Gesellschaft. Als aber der Frei—
herr v. Stumm im Interesse des Saarlandes diesem
Plan entschieden in einer persönlichen Aussprache mit
— entgegentrat, ließ Bismarck diesen Plan sofort
allen.
Der Krieg von 1866 klärte die Situation. Trotz des
reußischen Sieges hatte Napoleon den Mut, durch
Benedetti Kompensationen — nur ein anderes
Wort für den alten Begriff der Reunionen — für die
vohlwollende Neutralität fordern zu lassen. Nur ein
zöllig geschlagener Staat hätte in diese Forderungen, die
erheblich über das 1815 verlorene Gebiet hinausgingen,
einwilligen können. Bismarck ließ in seiner Antwort
durchblicken, daß die Aufrechterhaltung dieser Forderung
ehr schnell die deutsche Einheit schaffen würde,
und daß Frankreich darüber klar sein müßte, daß es in
dem kommenden Kriege nicht mit Preußen
Allein, sondern mit ganz Deutschland zu tun haben
verde. Napoleon ist über den Versuch seiner imperialisti—
schen Politik an seiner Ostgrenze nicht hinausgekommen.
Die Kräfte im Saarvolk, aber auch die Kräfte Bismarcks
uind ganz Preußens ließen Napoleon III. scheitern. Er
derlor nicht allein das Spiel um den Rhein, sondern auch
uim die Saar und nicht einmal sein Minimum, der Ein—
lluß Frankreichs auf die Kohlengruben. konnte es durch—
etzen.
Der Krieg von 1870 ließ dann alle französischen Hoff—
aungen auf die Saargegend versinken. Und das Saar—
problem verschwindet seitdem aus der französischen
Außenpolitik bis zum Jahre 1917, da durch ein Geheim—
aAbkommen zwischen Rußland und Frankreich diesem
freie Hand bezüglich der Gestaltung seiner Ostgrenze he—
willigt wird, insbesondere die französischen Forderungen
auf die Grenzen von 1814 und die politische Separation
des Rheinlandes vom Reich. Die Verhandlungen
in Versailles, vor allem die unerhörte von Fäl—
schungen strotzend Saardenkschrift Tardieus
heweist klar und eindeutig, daß Frankreich gewillt war,
die imperialistische Politik früherer Zei—
zen wieder aufzunehmen. Wer historisch geschulte Augen
hat, der sieht eine Linie von dem Jahre 1300, der Zeit
Philipps II. über Richelieu. Mazarin. Ludwig XIV., über
Nr. 1
Rapoleon L, Napoleon III. zu den Schöpfern des Ver—
ailler Diktats.
Ob man die Erwerbungen unter der Flagge Re—
union oder Kompensation oder Restitution
»der Reparation segeln läßt, es ist immer das gleiche.
Driginell ist die Politik des Versailler Vertrags nicht.
Aber dieser Vertrag und was darauf folgte im Saar—
gebiet, rechtfertigt die entschiedene Ab—
vehrstellung, die das Saarvolk gegen die fran—
zösischen Annexionsgelüste einnahm. Wir mußten so
jandeln, und wir müssen weiter Gewehr bei Fuß stehen,
venn wir nicht unangenehme Ueberraschungen erleben
vollen Im Saargebietgibtesin nationalen
Dingen keine Parteien, es gibt nur gute
Ddeutsche. Gewiß, wir sind bis ins Mark national.
Wir sind sogar stolz darauf, denn wir wissen, warum
vir es sind. Möchte es doch sein, daß alle Deutschen
einen Schuß dieses lebendigen Nationalgefühls im Blut
nätten. Vielleicht stände manches besser.
Aber gerade, weil wir hier auf fester nationaler Basis
tiehen, sind wir, wie schon die Vorfahren der Saarländer
m Jahre 1865, nicht abgeneigt, einen Frieden mit den
vestlichen Nachbarn zu machen. Wir hegen keinen Haß
ind singen keinen Haßgesang gegen Frankreich. Was
zie Saarländer, und zwar die Vertreter des ganzen Saar—
»olkes, im Jahre 1866 in einem offenen Manifest an
»as französische Volk geschrieben haben: „Wir
aben die Gewißheit, daß bei wirklich freier Abstimmung
nd in freier Situation sich niemand in den deutschen
ßrenzmarken finden wird, welcher die Lostrennung vom
Rutterlande und den Anschluß an Frankreich begehren
vollte. Wir hängen mit ganzem Herzen an unserm deut—
chen Vaterlande in seinen Leiden der Gegenwart, in
einen Hoffnungen auf die Zukunft, und unter den
chweren Sorgen des Augenblicks ist unsere schwerste
Zorge die, von unserem Vaterlande losgerissen zu werden.
Wir geloben mit Worten von Ehrenmännern, daß wir,
venn uns ein widriges Geschick vorübergehend von
inserem Vaterlande trennen sollte, mit der ganzen Zähig—
zeit und Ausdauer, deren der Deutsche fähig ist, an
inserer Nationalität festhalten,“ das gilt auch heute.
Was so im Jahre 18685 als sichtlicher Ausdruck der
Stimmung der Saarbevölkerung niedergelegt wurde, hat
ich in den Jahren von 1919 —1929 immer wieder be—
vährt. Wir sind auch heute bereit, den Weg der Ver—
tändigung zwischen Deutschland und Frankreich mit—
ubereiten. Aber dazu ist nötig, daß Frankreich seine
mperialistischen Ziele endgültig begräbt. Das Saargebiet
st mehr eine Schicksalsfrage für Frankreich, als ein
Problem für Deutschland. Der Weg der Verständigung
wischen Paris und Berlin, zwischen Deutschland und
zrankreich führt nicht über ein Saargebiet, nicht
iber ein Saarland, sondern nur über eine freie
deutsche Saargegend. Prof. Dr. Kloevekorn.
Die Entwicklung des saarländischen Bauernstandes
in der Zeit von 1814 - 1870.
(Schluß.)
Die Feldbewirtschaftung.
Die Art der Feldbebauung und Fruchtfolge war ver—
ankert in der von den Ahnen übernommenen Dreifelder—
pirtschaft und stand im Zeichen des minderwertigen,
hölzernen Wendepfluges. Die Dreifelderwirtschaft ent—
prach dem ungeteilten Bannbesitz der Gemeinde. Nachdem
eine Feldgewann eine zweijährige Bepflanzung erfahren
hatte, lag sie ein oder mehrere Jahre brach und wuͤrde
don den Herden beweidet, die sie mit ihrem Kot düngten.
Als Dungmittel stand dem Bauern nur der Stalldung zur
Verfügung, der aber bei weitem nicht zur Düngung aus—
ceichte, besonders, wenn man bedenkt, daß der Bauer nur
vährend der Wintermonate eine Stallfütterung und die
damit verbundene Dungbildung kannte. Die Jauche wurde
aur in seltenen Fällen zur Düngung benutzt. Sie ergoß
sich, wie schon erwähnt, über die Straße und wurde snit
dem Regenwasser in den Dorfsumpf gespült.
Die Fruchtfolge in den Feldern war nach altem Brauche
zenau geregelt. Im ersten Jahr nach der Brache erfolgte
eine Besäung mit Korn, im zweiten eine Haferbesäung
der Kartoffelbepflanzung, im dritten Jahre wieder die
Bbrache. Daß dem Boden durch diese einseitige Bepflan—
zungsmethode viel Aufbaustoff verloren ging und er all—
nählich aushungerte, ist leicht begreiflich.
Primitiv wie die Dreifelderwirtschaft war auch das
Ackergerät. Der hölzerne Wendepflug wühlte wohl den
Boden um, hatte aber einen viel zu schwachen Tiefgang
ind erreichte vor allen Dingen keine Lockerung des
Bodens. Das Grundgesetz, daß jede Pflanze zum Wachsen
inen lockeren, der Luft und Sonne zugänglichen Boden
iotwendig hatte, war unseren Bauern zum Teil unbe—
zannt, oder eine neue Weisheit jener theoretischen Welt—
ind Landverbesserer, die vom „Blasen und Tuten“ keine
Ahnung hatten.
Wollte ein Bauer trotzdem seine hölzerne Pflugschar
auch einmal im Untergrund wühlen lassen, so mußte sich
»er Pflugtreiber auf den „Pflugkrendel“ setzen und mit
einem Gewicht den Pflug dermaßen belasten, daß das