Full text : 3.1930/31 (0003)

sr. 2 Südwestdeutsche Heimatblätter.
»er längstens nöthig befunden reparation und Erweite— hm ein rechteckiger kreuzgewölbter Chor mit nördlicher
rzung der föltßlinger Kirchen alß man zum werk ge⸗ iweijochiger ebenfalls kreuzgewölbter Sakristei vorge,
chritten ergeben, daß dieselbe, eine Seiklen Mauer auß— agert. Bei dem Umbau im Jahre 1737 wurde die
zenommen, gäntzlich abgerissen und von grund aufs neu dordmauer des Schifses erhalten und nur erhöht und
erbaut werden müssen, dahers man mit eommunication nit anderen Fenstern versehen, während die ganze Süd—
uind genehmhaltung des Condecimatoris Herrn v. vand abgebrochen und weiter herausgerückt neu aufge—
WVarsburg, um mehrer Bequemlichkeit wilien, ohne be— ührt wurde.
ondere Absetzung des Chors, welches sonsten viel Der gotische Chor fiel ganz und wurde durch einen
chmaler alß die nabis gewesen, doch mit schicklicher in Abschluß des Schiffes in drei Seilen des Achtechserfeßi
ꝛin achteck zugehendten sorm, nach neuerer art dieselbe In hrer Grundrißanlage entsprach aifo die allere Klrhe
zinrichten zu lassen gut, befunden.“ Diesen Bericht, liegt st der von Vialftatnt, worauf zumal auch die rechtecaige
der hier abgebildete Riß bei. Er trägt die Bemerkung: festaltung des Chors hinweist der anscheinend ebenfo
„NB. Die Kirche ist nicht außer dem Licht. sondern in die die Türme mit Satteldach eine Figentümlichken
dem Licht 40 Schuch, mithin ist dieser Riß 5 Schuch zu ündlicher Kirchen in der hiefigen Landschaft budet.
alein. Ueber die hochinteressanten Ausgrabungen wird Herr
Danach war das damalige Schiff ein gothischer Bau, Rupp ausführlicher in der oben ängeführten Geschichte
der etwa dem 15. Jahrhundert angehörte. Oestlich war der Gemeinde berichten.

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Bastian Vogelsberger, ein Pfülzer Landsknechtführer.
Staatsarchivrat Dr Fei Solleder, München.

Sebastian Vogelsberger, der in der Zeit verbriefter
ßeburtsvorrechte aus dem Dunkel kleinbürgerlicher
Verhältnisse zum vielgenannten Feldobristen und popu—
lären Landsknechtführer aufstieg, hat seinen eigenen
Ausspruch wahr gemacht, daß Gott und das Glück Leute
schlechten Herkommens zu hohen Befehlsstellen empor—
ragen. Pfälzer von Geburt, war er in seiner Jugen?
Schulmeister in Italien und 1529 Lehrmeister der welschen
Sprache in Straßburg gewesen, sodann in jener krieg—
erfüllten Zeit als Fähnrich in die Dienste des schlachten;
erprobten Grafen Wilhelm von Fürstenberg getreten, der
seit 15321 bald in des Königs von Frankreich, bald in
des Kaisers Karl V. Namen große Landsknechtshaufen
in Spanien, in der Champagne und in Italien befehligte
und den einstigen Schulmeister ob seiner Topferkeit und
Kenntnisse gar bald zum Profosen über den ganzen
Haufen und zum Hauptmann über zwei Fähnlein machte
Vogelsberger schlug seinem Herrn zuliebe manch schönes
Kommando aus, übernahm jedoch 1538 den Befehl über
ein Regiment, da ihm des Grafen ungeschlochtes Wesen
auf die Dauer unerträglich schien und die frumben
Knechte lieber heimlaufen als noch länger unter dem
Grafen dienen wollten.
Wilhelm von Fürstenberg sah sich in seinem Streben
um die Würde eines Generalobersten über vie deutschen
Landsknechte betrogen, sein Ehrgeiz konnte die Bevor—
zugung seines ehemaligen Untergebenen nicht verwinden:
aber fiatt seinen Handel im Felde vor dem Marschall.
den Kriegs- und Befehlsleuten oder vor dem gemeinen
Haufen der Landsknechte auszutragen, wie es unter
Kriegsleuten Sitte wor, bedrohte er nach dem Frieden
»on Nizza Vogelsberger mit friedbrüchtger Gewalttaät in
Reichsstädten, in Freiungen, wo immer er ihn trraf, ja
er ließ auf den Grenzpaͤssen zu Roß cuf ihn streifen
Deutsche, französische und italienische Schmähschriften
ieß er wider ihn ausgehen, die Vogelsberger mannhaft
erwiderte, daß nur so die Späne flogen. Deutschland
erlebte das ungewohnte Schauspiel, daß Kriegsleute pit
Tinte, Feder und VPapier gegeneinander fochten. Al—
Vogelsberger in seinem Ehrenhandel vor der, Krone
Fraͤnkreichs obsfiegte, schmähte der Graf in der Wut des
cechtlich Unterlegenen, er wäre in Deutschland vor einem
Bauerngericht gerechter behandelt worden als in Frank⸗
reich vom Könlig und rief die Kurfürsten von der Pralz
ind Sachsen, die Herzöge von Württembetg und Lotb—
ringen als Schiedsrichter an. Ja, er bediente sich seldit
der Vermittlung des römischen Königs Ferdinand J. be'm
Reichskammergericht, vor das ihn Vogelsberger geladen
hatte und das gegen den gewalttätigen Reichsgrafen 4u⸗
zunften des schlichten Feldhauptmännes »ntschied, ob—
vohl fich der ganze Grafenstand schützend hinter den
Sippengenossen stellte.
Seinem neuen Herrn, dem Ergbischof und Kurfürsten
oon Mainz, verpflichtete er sich, 8000 Landsknechte auf⸗

zubringen und streckte ihm zusammen mit dem Landsznechtführer
 Bechtold von Wildsberg die für die da—
nalige Zeit gewaltige Summe von 26000 fl. votr.
VBogelsberger hatte seine karge Kinderzeit nicht vergeisen
tind war im Gegensatz zu den meisten guten Soldaten
in trefflicher Wirtschafter. 1540 baute er sich in
Veißenburg im Elsaß am Anselmannstaden ein ansehn⸗
iches Wohnhaus aus gehauenen Steinen im Stil und
ßeschmack bester rheinischer Renaissance 1545 wurde
⸗T Burgvogt von St. Remig, ein Jahr dargauf Schloßhert
er schönen Wasserburg Friedeisheim an der Hardt bei
Vachenheim, Herr der Weingärten, wo ein guter Tropfen
vächst, Herr leibeigener Untertanen in den Dörsern
ßönheim und Hochspeyer.
Nie war er untätig. Mit dem Pfalzgrafen Wolfgang
usammen, dem Stammvater des Hauses Wittelsbach,
varb er 1548 im Solde Englands 24 Fähnlein. Im
Jahr darauf ernannte ihn sein Landesherr Kurfürst
Friedrich II. von der Pfalz zum kurpfälzischen Kriegsfat,
 da er sich mit dem Plan trug. seiner Gemahlin, der
zänischen Erbtochter, die Lande ihres Vaters. des ge—
angenen Dänenkönigs, zurückerobern und den Uur—
»ator Christian IIIt von Dänemark mit Waffengewalt
zu vertreiben. Im Sommer 1547, da der Pfälzer Kur—
ürst am französischen Hofe weilte, geleitete Vogelsberger
Rit 10 Fähnlein deutscher Landsknechte Heinrich II. zut
drönung nach Reims. Das wurde ihm zum Verhängnis.
Kaiser Karl V. fühlte sich durch diese seine Werbungen
dedroht und nahm Abstand von der Belagerung Magdo—
zurgs, dieser Zufluchtsstätte der kirchlichen Rebellen.
I)bwohl der Kaiser gegen die beschworene Wahlkapilu—
ation fremdes Kriegsvolk, spanische, italienische und
riederländische Soldknechte und Reiter ins Reich ge⸗
racht, deren Zuchtlosigkeit und Erpressungen ihm
elbst die katholischen Landesteile entfremdeten und ob—
vohl er sie widerrechtlich zur Unterdrüchung dor
eutschen Protestanten verwendete, war seine Politik
eit Jahren darauf abgestellt, um jeden Preis Verbin—
ungen der Franzosen mit den deutschen Fürsten und
driegsleuten zu verhindern. Als Vogelsberger nach
zrei Monaten seine Truppen abgedankt hatte, ließ
darl V. den nach Weißenburg zu seiner Familie Heim—
zekehrten durch Lazarus von Schwendi, dem späteren
bersten Feldhauptmann, greifen, der sich unter dem
borwand einführte, einen Herrn erstochen zu haben
ind dadurch in des Kaisers Ungnade gesallen zu sein.
Ja, er machte den arglosen Kriegsmann sicher, indem er
00 Kronen borgte uͤnd ihn vor den streifenden Spa—
riern warnte, in deren Hinterhalt er den Ahnungslosen
ockte. 200 berittene spanische Hakenschützen brachten
hmam 4. Februar 1548 nach Augsburg. wo der Kaiser
nit seinem Kanzler, dem Frangosen Perenot, genannt
Zranvella, und feinem obersten Feldherrn Herzog Alba
            
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