Full text : 3.1930/31 (0003)

Scdiuestbeutsche Seimatblãtter
beitio- Suj eimanmto ůα] ”!⏑·—

VNummer1

Saarbruͤcken, Januar 1951.

Eiszeit und Wirbeltierreste in unserer Gaarheimat.

Unter dem Namen „Diluvium“ faßt man gewöhnlich alle
»ie eigenartigen Erscheinungen auf der Erdoberfläche zu—
ammen, die durch die Form der Ablagerung von Ge—
teinen auf eine viele Tausende von Jahren dauernde
zöllige Vereisung des nördlichen und östlichen und von
kdeilen des südlichen Europa hindeuten Gewaltige Mengen
von Schutt, die die riesigen, von Skandinavien bis weit
nach Norddeutschland herabreichenden nordischen Gletscher
»or sich herschoben oder auf ihrem fast 1000 Meter mäch—
igen Eisrücken mitschleppten und als Moränen von
Lehm, Kies und Sand zurückließen, sind die sicheren Ur—
zunden eines uns fremden, gänzlich anders gearteten
»olaren Klimas unserer deutschen Heimat Aus dem
Alpengebiet haben die vordringenden Gletscher ihren
Schutt auf der bayerischen Hochebene bis in die Gegend
»on München herabgewälzt. Schwarzwald und Vogesen
rugen in ihren höchsten Erhebungen im Süden Gletscher
und Firnfelder, deren Schmelzwässer die Flüsse zum
Rhein hin speisten.
Im mittleren und westlichen Deutschland, das von der
Lereisung frei blieb, finden sich die Wahrzeichen dieser
Zeit in starken Ablagerungen von Lehm, Sand und Kies
in den Ebenen der Flüsse. Sie stammen aus den Schmelz—
vässern und Abflüssen der Gletscher oder bestehen aus
dem abgeschwemmten Schutt der einen großen Teil des
Jahres mit Schnee bedeckten Mittelgebirge. Die so ent—
tandenen, sogenannten Deckenschotter sind also das Er⸗
jebnis der Fortbewegung durch fließendes Wasser, sei es
der Flüsse selbst oder ihrer weiten Ueberschwemmungs—
gebietke zur Zeit ausgedehnter, oft plötzlich eintretender
Schneeschmelzen. Daher auch die Bezeichnung „Diluvium“⸗
Ueberschwemmung GEintflut).
Kiese, Sande und Lehme begleiten die Flußläufe, und
hre Ablagerung zu beiden Seiten derselben in verschie—
zenen, deuͤtlich erkennbaren Stufen (Terrassen) bezeugen
uns das allmähliche, periodisch unterbrochene Einschneiden
der Flüsse in ihr Untergestein während und nach dieser
Zzeit, bis sie ihre heutigen Betten erreicht haben Bis
jsum Eintritt der Eiszeit waren also viele der heutigen
Flußtäler höher gelegene Ebenen, aus denen die Reste der
iAlteren Mittelgebirge nur wenig herausragten Bestimmte
Wechsel in der Moränenbildung sowie die staffelförmige
Lage der eben genannten Schotter weisen auf jäh wech—
selnde, lang dauernde große Unterschiede des Klimas hin
o daß mañ mehrere, gewöhnlich drei oder vier Eiszeiten
Glazialperioden) unterscheidet, denen bedeutend wärmere
Zwischeneiszeiten („Interglaziale“) mit starkem Rück—
jang der Gletscher und ungeheuren Schneeschmelzen ein
jeschaltet waren. Spärlicher Pflanzenwuchs verlieh der
dandschaft Steppen- oder gar Wüstencharakter
Von besonderer Eigenart war die Tierwelt der Eiszeit
und aus zahlreichen Funden wissen wir, daß Elefanten,
Nilpferde. Nashörner, Urochsen, Bären, Löwen und andere
Tiere. auf die der Mensch Jagd machte, Mittel- und Süd—
zeutschland wechselnd bevölkerten. Namentlich Elefanten⸗
herden durchstreiften die Ebenen und zogen die Täler ein—⸗
zelner Flüsse aufwärts.
Auch unser heimatliches Gebiet ist nicht ganz ohne
Spuͤren der Eiszeit geblieben. Freilich haben wir hier so
venig wie in Mitteldeutschland Moränenzüge als Ueber—
reste ehemaliger Vergletscherung. Wir finden lediglich die
ingehäuften Schuttmassen, die im Bereich der Mosel zum
Teil von den Schmelzwässern der Gletscher in den süd⸗
lichen Vogesen herrühren, bei der Saar und ihren Neben⸗
flüssen aus dem Verwitterungsschutt der näher gelegenen
zniedrigeren Gebirge, der Nordvogesen und des westlichen
Hunsrücks zusammengetragen sind. Blies und Prims,

owie die französische und deutsche Nied zeigen außer der
Zaar in ihrem Laufe erhebliche Ablagerungen von Kies
uind Sand in mehr oder weniger deutlichen Terrassen Sie
verden zum Teil wirtschaftlich ausgebeutet
Zeugen aus der Tierwelt der Diluvialzeit sind bis vor
iurzem bei uns äußerst selten gefunden worden Die Er—
äuterungen zu den geologischen Blättern, die von der
»reußischen geologischen Landesanstalt in den Jahren
son 1875 bis etwa 1895 im Maßstabe 1: 25 000 herausgegeben
 worden sind, wissen darüber im Bereich von
Saargemünd bis Serrig nichts zu berichten, Der einzige
n den Erläuterungen zu Blatt Hanweiler angegebene
fund eines Urochsen (Bos primigenins) beim Bau der
Züdinger Schleuse gehört bereits der letzten Stufe geo—
ogischer Zeitrechnung, dem Alluvium, an. Auch die Er—
äuterungen zu Blatt Saarbrücken der geologischen
lebersichtskarte von Elsaß-Lothringen 1: MOOoo be—
richten nur in zwei Fällen ganz kurz darüber. Danach
vurde in den Schottern der Nied um das Jahr 1830
‚beim Ausheben einer Baugrube für den Bau eines
Zzauses in Gelmingen (zwischen Bolchen und Busen—
zorf) ein Rhinozeros-Skelett entdeckt, von dem jedoch nur
»in Zahn geborgen wurde“ (!). Wo dieser Zahn geblieben
st, scheint nicht bekannt zu sein. Im Gebiet der Eichel,
»inem Nebenflüßchen rechts der Saar oberhalb Saar—
semünd, wurde bei Oermingen „in einer Sandgrube
ieben der Bahn ungefäühr sieben Meter über dem Niveau
der Eichel ein Stoßzahn vom Mammut beobachtet, der
3,10 Meter Durchmesser und bei starker Krümmung eine
dänge von 1,30 Meter besaß. Er war vollständig auf—
geweicht und zerfiel bei der Berührung sofort. In der—
elben Grube wurden Zahnstüchke vom Rhinozeros (Nas—
orn) gefunden.“
Erst in den letzten Jahren sind weitere Entdeckungen
jemacht worden, die der Beachtung wert sind
Das staatliche Museum für Archäologie in der ehe—
naligen Kaserne am Ludwigsplatz besitzt drei Beispiele
;on Backenzähnen des Mammuts. Wir bringen dieselben
neiner Abbildung, die uns der Konservator, Herr Ober⸗
zaurat Klein in liebenswürdiger Weise zur Verfügung
gestellt hat. Der größte von ihnen, ein vollständiger
zackenzahn, wurde 1928 in Hanweiler bei der Kanali—
ation der Provinzialstraße in 2,550 Meter Tiefe im Kies
gsefunden Er ist 36 Zentimeter lang und ausgezeichnet
rhalten. Der zweite Zahn, das Bruchstück eines noch
ungen Tieres, stammt aus Güdingen vom Grundstück
Wölflinger in der Nähe der Saar unterhalb der Schleuse
Er wurde etwa 1924 herausgebracht und ist 19 Zenti—
neter lang. Das dritte Stück wurde aus dem Gelände
»er Halberger Hütte in Brebach, ohne nähere Orts⸗
ingabe wohl ebenfalls im Kies der Saarwiesen. ge—
sorgen. Ein weiteres Bruchstück, dem historischen Verein
zehörig. ist in Saarbrücken selbst, beim Bau des
zauses Otto Büché in der Mainzerstraße, entdeckt worden
ind befindet sich zurzeit im städtischen Heimatmuseum
Diese Funde, die uns die Anwesenheit des Mammuts
n unmitkelbarer Nähe der Saar zeigen, sind durch zahl⸗
reiche Entdeckhungen im unteren Elsaß vermehrt und.
vas uns näher aäangeht durch einen interessanten Fund
m Muschelkalkgebiet von Spichern bereichert worden
R. Forrer vom Museum in Straßburg berichtet?“)
»on eswa 60 Mammutstationen, die bisher im Elsaß iest—
*) R. Forrer, Die Fortschritte der prähistorischen und
cömischen Forschung im Elsaß. XV. Bericht der Röm-German
kommission des deutschen Archäologischen Instituts zu Frank—
urt a. Main
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.