Full text : 3.1930/31 (0003)

Südwestdeutsche Heimatblätter.
zustellen versucht. Rudolf Rehanek hat in seinem
Zuche über die Abtei Fraulautern wertvolles
reues urkundliches Material, das aus dem Klosterarchiv
stammte und nach Irrfahrten vom Staatsarchiv in
Koblenz erworben wurde, durchgearbeitet und hat in der
Hauptsache auf diesem Material seine Darstellung auf—
zebaut. Nun liegt aber noch ein umfangreiches Akten—
material über Fraulautern in französischen Archiven, vor
allem in Nancy. Da der Verfasser dieses Quellenmaterial
anicht nennt, ist dieses Aktenmaterial anscheinend nicht
durchgesehen. So haftet diesem Buche vom wissenschaft—
lichen Standpunkte aus gesehen ein schwerer Mangel an
Trotzdem ist es Rehanek gelungen, ein lebendiges, anschau—
liches Bild vom Werden, Wachsen, Blühen und Vergehen
dieser hochadligen Frauenabtei zu geben, die in ihren
Befitzrechten weit auf dem linken Ufer der Prims und
dem rechten Ufer der Nied um sich griff. So umfaßt die
Darstellung nicht allein die Geschichte der Abtei selbst,
sondern auch eine Erhellung vieler Ortsgeschichten im
Kreise Saarlouis Besonders eingehend hat der Verfasser
die kulturellen Verhältnisse in dem Frauenkloster behan—
delt. In einem Anhang sind eine Reihe von wichtigen
Urkunden veröffentlicht.
Wie im preußischen Teile, so geht es auch im pfälzischen
Ldeile des Saargebiets mit der wissenschaftlichen Einzel—
orschung erfreulich vorwärts. Erst auf Grund solcher
Einzeluntersuchungen kann später eine gesicherte Ge—
samtdarstellung gegeben werden. In den „Veröffent—
ichungen der pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften“ legt der von verschiedenen Publikationen
her bekannte Pfälzer Historiker Wolfgang Krämer
eine Geschichte des Steinkohlenbergbaues
zu St. Ingbert vor, die, auf archivalischen Quellen
deruhend, eine Monographie einer Kohlengrube in der
Saargegend enthält. Bei dieser Veröfsentlichung ist es
ähnlich wie bei der Arbeit von Rehanek; beide Versasser
)daben ein umfangreiches neues Quellenmaterial — in
ziesem Falle das Material im Fürstlich von der Leyen—
schen Archiv in Waal — vorgefunden und diese zur Grund⸗
age ihrer Darstellung gemächt. Nun liegt aber hier die
Zäche auch so, daß für die Zeit der französischen Revolu—
tion Material in französischen Archiven liegt, die der Ver—
fasser offenbar nicht durchgearbeitet hat, da er schreibt,
daß die Lücken für diese Zeit aus der neueren französi—
schen Literatur ergänzt worden seien. Es mag in den
Jahren unmittelbar nach dem Kriege sehr schwer gewesen
sein, Zugang zu französischen Archiven zu haben Diese
Zeiten sind vorüber. Für wissenschaftliche Arbeiten stehen
seute deutschen Forschern die französischen Archive offen—
Während Wolfgäng Krämer in größter Ausführlichkeit
die ältere Zeit, vor allem das 17. und 18. Jahrhundert
bearbeitet, ist die neuere Zeit, das 19. und 20. Jahrhun—
dert, auf nur wenige Seiten zusammengedrängt. Das
interessanteste Kapitel ist der große Prozeß, den die
Fürsten von der Leyen gegen den bayerischen Staat um
den Besitz der St. Ingberter Kohlengruben angestrengt
haben, oͤhne allerdings zu ihrem Ziele zu kommen. Die
Arbeit stellt einen wertvollen Beitrag zur Wirtschafts—
geschichte der Saarpfalz dar.
Von jüngeren Wissenschaftlern liegen einige recht er—
reuliche Untersuchungen vor. Otto Rixecker hat in
seiner wertvollen geographischen Arbeit über die
BZevölkerungsverfeilung im Saargobieft
einen wichtigen Beitrag geliefert zur soziologischen Ent—
wicklung des Saargebiets im 19. Jahrhundert. Er zeigt
darin unter Beifügung von vielen Statistiken und Karten
die charakteristischen Unterschiede der im Saargebiet zu⸗
sammengedrängten natürlichen Landschaften, die An—
Jleichung der Bevölkerungszahl an die Landschaften als
herschiedenartige Lebensbafen und die Verschiedenartigkeit
hrer Entwicklung unter der Einwirkung der industriellen
Kräfte im 19. uͤnd zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Während im Jahre 1820 die Verteilung der Bevölkerung
in den einzelnen Landschaftsteilen noch eine durchaus
natuͤrliche ist, hat sich das Bild infolge der technischen
Entwicklung des Kohlenbergbaues, der Industrie und der
Verkehrswege ganz gewaltig verschoben. Diese Umwer—
ung der natürlichen heaset als Folge der techni—
chen und industriellen Entwicklung hat neue Menschen⸗
Ldandschaften geschaffen. Besonders deutlich heben sich
heute 3wei solcher anthropogeographischer Räume

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»oneinander ab. Der erste umfaßt das gesamte Standort—
sebiet der Bergwerksanlagen und der auf der Kohle auf—
»auenden Großindustrie, er weist eine durchschnittliche
Polksdichte von fast 1100 Menschen auf den Quadrat—
zilometer auf. Der zweite ist der agrarische Rekrutie—
ungsbezirk der Industrie, in dem eine Bevölkerungs—
zichte von nur 166,7 festzustellen ist. Einige im Text
xwähnte Karten werden demnächst von der Saar—
orschungasgemeinde veröffentlicht werden

Eine wirtschaftsgeschichtliche Arbeit von Joseph
Lollet hat das Wirtschaftsleben in der
ßrafschaft Saarbrücken im Zeitalter des
hserkantilismus (1697-17983) untersucht. Die ehe—
nalige Grafschaft Nassau-Saarbrücken deckt sich bekannt—
ich nicht mit dem heutigen Saargebiet, aber sie umfaßte
och den wichtigsten Teil desselben. Wenn auch im VLaufe
zer geschichtlichen Entwicklung infolge von Erbteilungen
zie Herrschaft Ottweiler von der Grafschaft Saarbrücken
etrennt wurde, so bildete diese Herrschaft Ottweiler doch
nit Saarbrücken ein geschlossenes Territorium und für
ie Zeit von 1697—1793 eine gemeinsame Regierung.
LJußerdem waren beide hinsichtlich des Bergbaus und der
Industrie ein geschlossener einheitlicher Wirtschaftskörper,
eshalb es nahe lag, in die Untersuchung auch die Herr—
haft Ottweiler mit einzubeziehen. Die Zeit von 1697 bis
793 umsaßt gerade die Zeit zwischen der gewaltsamen
zesetzung des Gebietes durch Frankreich in der Reunions—
eit uͤnd der Revolutionszeit. Es ist diese Zeit eine Epoche
vdirtschaftlichen Emporblühens der Saargegend gewesen.
VLeder größere kriegerische Unternehmungen noch Fremd—
errschaft haben in diesem Jahrhundert das Gebiet be—
inruhigt. Dieser kleine nassau-saarbrückische Staat bot
zie besten Voraussetzungen für die Durchführung des
nerkantilistischen Wirtschaftssystems durch die Fürsten,
»or allem durch die beiden letzten Fürsten von Nassau—
Zaarbrücken Wilhelm Heinrich und Ludwig. Der Verfasser
jat auf Grund recht umfangreichen archivalischen
Naterials und der gesamten für jene interessante Periode
»orliegenden Literatur die Land- und Forstwirtschaft,
zergbau und Gewerbe und Handel und Verkehr einer
ingehenden Betrachtung unterzogen und unsere Kenntnis
er wirtschaftspolitischen Entwicklung der Saargegend im
8. Jahrhundert nicht unbeträchtlich erweitert und
ertieft.
Auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft ist nun auch
me allerdings schon vor Jahren angefertigte, aber in—
olge der ungünstigen wirkschaftlichen Verhältnisse erst
etzi gedruckte Arbeit von Joseph Müller erschienen,
zie den Titel führt: Studien zur Dialektgeo—
zraphie des Saargaues. Der Verfasser untersuch!
arin das Gebiet der unteren Saar von Dillingen bis
tach Saarburg, d. h. den größeren Teil der Kreise Saar—
urg und Merzig uͤnd den Nordrand des Kreises Saar—
ouis. Das Kerngebiet der sprachgeographischen Unter—
achung ist der Saargau, in dem dank der landwirtschaft—
ichen Struktur im großen und ganzen eine einheitliche
Ründart sich erhalten hat, wenngleich auch in diesem ab⸗
elegenen Gebiet gerade in neuerer Zeit aus verschiedenen
Ursachen ein Eindringen neuer Sprächformen festzustellen
t. Es ist begreiflich, daß gerade in diesem Grenzgebiet
uch franzöfisches Sprachgut vereinzelt eingedrungen ist
krotzzem kommt der Verfasser zu der wichtigen wissen—
haftlichen Feststellung, daß trotz der Nähe der politischen
ßrenze und der unruhigen geschichtlichen Entwicklung in
en letzten 150 Jahren der Einfluß des Französischen dort
echt gering ist. Das hat seinen Grund darin, daß eben
ie politische Grenze sich nicht deckt mit der Sprachgrenze
zie viel weiter und tiefer im lothringischen Gebiet liegt.
Am Schlusse dieser literarischen Rundschau sei einer
imfangreichen, auf eingehenden Studien amtlicher und
salbamtlicher Quellen sowie des gesamten das Saar—
ebietsproblem behandelnden deutschen, französischen, eng⸗
schen und holländisehen Schrifttums beruhenden juristi—
chen Arbeit von Hellmut Katsch: Regierung
ind Volksvertretung im Saargebiet ge—
acht. Diese wertvolle Arbeit rollt die ganze Rechtslage,
vie sie sich in den vergangenen unseligen zehn Jahren in
iesem unter dem Völkerbund stehenden Gebiet entwickelt
jat, in übevaus klarer und anschaulicher objektiver Weise
tuf. In einem ersten mehr kheoretischen Teil gibt der
            
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